> Gedichte und Zitate für alle: A. Glassbrenner: Verbotene Lieder: Die Geschichtlinge (21)

2016-02-14

A. Glassbrenner: Verbotene Lieder: Die Geschichtlinge (21)




 Die Geschichtlinge

Was forscht ihr nur und grübelt und klaubt,
Ihr dummen, gelehrten Wichte!
Was uns früher Allergnädigst erlaubt
Im Königsstaub der Geschichte?
Wir wollen die Gnaden auf Eselsfell nicht!
Wir sind auch den Toten nicht Knechte!
Wir wollen, was uns der Himmel zuspricht:
Unsere ewigen, göttlichen Rechte!

Und wäre von Moses Zeiten auch her
Ein Despotenlauf die Geschichte,
Wir wollten doch keine Despoten mehr,
Ihr dummen, gelehrten Wichte!
Wir können uns selber regieren schon,
Denn wir sind Männer, nicht Kinder!
Wir sind gescheidter als der ganze Thron
Mit seinem erblichen Sünder.

Und stände vom freien Gedanken Nichts
In der langen Herrschergeschichte;
Wär's finster gewesen vom Tage des Lichts,
Ihr dummen, gelehrten Wichte:
Wir wollten doch den Gedanken frei!
Wir wollen's, die Herren auf Erden!
Mit den alten Freiheiten ist's vorbei;
Die Freiheit! die muß uns werden.

Wir hängen uns selber nun und nie
Am Weltgericht der Geschichte! –
Denn wir hassen auch ihre Despotie,
Ihr dummen, gelehrten Wichte!
Und wenn die vergilbten Blätter und Roll'n
Unser Fordern historisch verwürfen:
Wir wollen darum doch, was wir woll'n!
Nicht, was wir wollen dürfen!

Drum forscht nicht länger und grübelt und klaubt,
Ihr dummen, gelehrten Wichte!
Was uns früher Allergnädigst erlaubt
Im Königsstaub der Geschichte.
Wir wollen die Gnaden auf Eselsfell nicht!
Wir sind auch den Toten nicht Knechte!
Wir wollen, was uns der Himmel zuspricht:
Unsere ewigen, göttlichen Rechte!


Gesamte Sammlung "Verbotene Lieder"                                                                                 weiter

                          alle Gedichte nach Themen

Keine Kommentare: