> Gedichte und Zitate für alle: M. Dauthenday: Ultra Violett- Chorgesang (20)

2016-02-20

M. Dauthenday: Ultra Violett- Chorgesang (20)




 Chorgesang

Stimmblumen eine tauhelle Wiese voll. Und der Frühhauch treibt sie in gelben
Scharen zusammen. Ein See, grün und violett, und das silberne Herzpochen
der Wellen.
Auf einer Klippe ein Weib. Steil, mager aller Wollust entkleidet. Bleiche
Verhärmtheit liegt wie ein strenges Gewand an diesen dünnen, blauen
Gliedern.
Eine Lustsäule saugt sich zum Himmel. Ein gerades hochgerecktes Greifen.
Die Augen zurückgebeugt, weit, daß die Iris fast hinter die Lider taucht, und
das Weiße in verzehrendem Weiß.
Ein schwächlich rankendes Wimmern. Aber doch Rubinmark in weißen
durchsichtig zitternden Dämpfen.
Dann schließt sich das alles. – Weich, lau wie graue samtne Blütenblätter
zum Sonnenschlummer gefaltet.
Ein Schluchzen quillt aus der Erde. Warme Tränen quellen. Die Starre und
die Steile zerfließen.


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