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2016-02-25

M. Dauthenday: Ultra Violett- Der Mann (84)



Der Mann

Jehova, o Herr, dein Morden – schweige,
Zerfleischt die Menschheit,
Blut dir zu Füßen,
Die letzten Herztropfen flehen,
Gnade, Herr, Gnade!
Wir opferten röchelnd Entgelt!

Und du kommst Herr, du kommst,
Schwarz starben Sonne, Sterne.
Erde, Himmel, darben nach dir.
Rausche golden nieder,
Laß Sonnen aufschlagen,
Tausche die ewige Hülle,
Das sterbliche Glieder deinen Geist zu uns tragen,
Erfülle leuchtend das dunkle Gesetz.

Deine Hand winkt,
Die Schlünde verlöschen,
Du leitest die Meere zurück in die Gründe,
Weiß dein sternblasser Leib,
Du schreitest, eine singende Lotoslilie,
Silbern von rauchenden Bergen.
Deine Straße umrauschen
Heiß Sandel, hyazinthene Düfte,
Morgenrot, Lorbeerrosen,
Elfenbeinlichte Glocken

  Neigen sich klingend,
Mit dir in saphirgoldenem Reigen
Die Bronnen des Lebens.

O zögere nicht!
Entstellt, zerplagt, ein Totenschädel
Die bebende Erde.
Zuckend mit letzter Ader
Kriecht, klagt
Ein zermalmtes Geschlecht.
Dein Hader, warum so tödlich?
Recht zum Leben, haben wir Recht?
Du hast uns Atem gegeben,
Fand man uns schlecht! Strafe!
Aber zerschellt ein Vater sein Kind? ...
Wir betteln, wir ringen,
Du offenbarst Dich nicht?!! ...
Herr, Gott, wer sagt mir,
Daß Du bist und warst!
. . . . . . . . . . . .

Schwarze Stille. –
Die Flut schweigend schwarz geglättet.
Ein letzter weißer Blitz zeigt den Felsvorsprung leer. –
Der Himmel bleicht allmählich violett. Dann blass eisig lila.
Grüne Phosphorstreifen ziehen fern über die Wasser.
Das Meer rieselt in grünem Leuchten.
Eine sanfte schwarze Welle hebt zwei phosphorblaue nackte Leichen hoch.
Die Körper halten sich in Todesstarre umschlungen.
Die Welle hebt die blauglühenden Toten ans Ufer auf eine schwarze
Klippe. Phosphorglimmende Tränen rinnen von den Körpern silberblau über
den schwarzen Stein.
Das Schweigen des Todes singt hart und kühl.


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