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2016-02-24

M. Dauthenday: Ultra Violett- Paradies (71)




 Paradies

Es wirft sich an's Herz, auf rauschenden schweren Flügelschlag eine ernste
Amethystbläue.
Eine Strahlung verborgener heiliger Quellen und aus glühenden
Laubgrotten.
Aus dem Gebüsch ein Mann und ein Weib. Und sie schreiten über den
blumigen Rasen, Seite an Seite. Nackt, ein feuchter Violenschein über ihren
Leibern.
Ein Löwe leckt seine Hand und andere Tiere folgen. Ein Eber auf der Seite
des Weibes. Eine weiße Kuh und schnäbelnde rosige Flamingos und andere,
Tiger, Elefanten und noch mehr.
Aus hyazinthblauen Büschen kommt der Zug. Triefende Sonnenbrände
über den Büschen. Durchglühte Laubhänge, Malachitleuchten und
Smaragdfeuer und darüber die Luft weinrot und rotgolden, wie von üppigen
Säften getränkt.
Tauben, lilienweiß, die Flügel gespannt im Goldduft über dem
Menschenpaare. Im Rasen, rings, kurze große Blumen, rotgefleckte Tulpen
und Aurikeln und Primeln in kleinen Sträußen.
Oben schmettert das Licht in Posaunen, die Sonnenbrände wirbeln und über
die Laubkronen brausen die grünen Feuer. Aber unten, alles ist Marmorkühle,
alles klar, eine blaufeuchte Klarheit.
Das Weib hält eine Blüten-Girlande hinter sich, bis zu den Biegungen der
Knie schaukelt die Girlande, bei jedem Schritt streicheln sie die kühlen,
tauigen Blüten.
Sie neben ihm. Ihre Leiber breit und kräftiges Fleisch. Und an ihnen die
Nacktheit ist wärmeleer in unbewußter blauer Keuschheit. Die Schatten sind
gelbzart wie Blütenmehl an ihrem Fleische.
Aber es ist überall um sie, dies dämmerige Violenblau. Es senkt die Äste,
sie wiegen sich gewölbt, wie unter Edelsteinlasten, und unter dem Laube in
gedämpften Floren. Und über den Tieren dasselbe nachdenklich schweigende
Blau, das die Blutwärme verdeckt und alles rollende Rot.
Die großen weißen und roten Blumen im Rasen mit den samtdunkeln
Pupillen sehen zu dem Menschenpaar auf, und wandeln vor ihm her. Und auch
auf ihnen das kühle stumme Blau, das alles bezähmt.
Das Menschenpaar schreitet über den Rasen. Der blaue Äther wogt um ihre
Nacktheit, eine Strahlung verborgener heiliger Quellen und aus glühenden
Grotten.
Eine ernste Amethystbläue, eine Kühle, es wirft sich an's Herz auf
rauschendem schweren Flügelschlag.

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