> Gedichte und Zitate für alle: M. Dauthenday: Ultra Violett- Wintersonne (90)

2016-02-25

M. Dauthenday: Ultra Violett- Wintersonne (90)



  Wintersonne

Es geht ein Licht vom Himmel wie Rosenmilch. Geht durch die leeren Bäume
über den Schnee, über das Schilfdach einer Hütte, über einen kauernden blauen
Mann und eine gelbe ziehende Herde.
Der Schnee in blauen Scherben auf dem Hüttendach, um die Hütte in
gelben Meerschaumwellen. Vergißmeinnichtblüten und Rosa in den
Schneegruben. Der Schnee knistert fiebernd wie Seide. Seiden die Luft,
goldweiß und goldrosig gestrählt.
Opalfarben schweben über den Schnee, kaum hörbar, zart wie der Atem der
Perlen.
Aber über allem bricht rauschend das Licht im Duftguß aus weißem Kern.
Steht in weißem Rosa und höher Gold, blasses Silbergold, und blüht entfaltet
wie eine Blume.
Es wird lebendig der Schnee. In blauglimmenden Schatten steigen
Flammen und aus Kristallbrüchen Gase, blaue und rosige weiten die Luft. Mit
ihnen summende violette Dämpfe, rauschen unter der Hütte, saugen sich im
Baumgeäst hoch. Die kahlen Bäume stehen in der Luft, wie die rosigen Adern
auf durchsichtigen Blütenblättern.
      Es geht aus allem eine nadeldünne Kühle, eine streichelnde Weichheit, wie
die Schiller auf kühlen Muschelschalen und Perlmutter.
Der blaue Mann steht gebeugt im Licht. An ihm vorbei zieht die Schafherde
aus der Hütte und breitet sich über den Schnee.
Es geht warmer Lichtfriede über den kalten Schnee. Auf Engelfittichen eine
kinderlallende Andacht. Im schmeichelnden Gießen von Düften das Entfalten
einer Taube auf rosigem Silbergrund. Das wispernde Beten ganz kleiner runder
Engel mit Veilchenaugen und Blütenstaub im Haar und Daunenflügel am
Nacken. Und Musik von elfenbeinernen Harfen.


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