> Gedichte und Zitate für alle: F. Gundolf: "Goethe"- Biographie- Dichtung und Wahrheit Seite 139

2016-03-23

F. Gundolf: "Goethe"- Biographie- Dichtung und Wahrheit Seite 139


DICHTUNG UND WAHRHEIT

Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit entstammt, wenn auch durch Aufforderungen von außen angeregt (von denen das Vorwort Kunde gibt) dem gleichen Bedürfnis Goethes nach Überschau seines Gesamtdaseins, der gleichen Altersfähigkeit, sein Gewordenes als selbständiges Bild abzulösen von seinem Werden, der die Pandora ihren Ursprung verdankt. Beide Werke, so verschieden sie sind, atmen in der gleichen Luft geklärten Alters, das rückblickend sich des nach außen hin als Werk und Macht Erreichten freut und mit wehmütiger oder zufriedener Weisheit der Schranken und Opfer gedenkt die das Innere bringen mußte, um dahin zu gelangen. Beide Werke ziehen die „Summe seiner Existenz“, und zwar mit Bewußtsein, als einmalige Abschlüsse einer überschaubaren Entwicklung, nicht als Selbstdarstellung einer Krise, wie Werther und Tasso, oder des noch fortwirkenden Gesamtlebens, wie Faust, oder als Panorama der Elemente worin dies Leben sich abspielt, wie Wilhelm Meister. Pandora sowie Dichtung und Wahrheit setzen Goethes Leben als ein vergangenes voraus und unterscheiden sich dadurch von allen andren Generalbeichten Goethes, zumal vom Wilhelm Meister und vom Faust, welche aus noch gegenwärtigern Lebensstoff das Bild wirken. Gewiß ist auch an den beiden Alterswerken Goethes Gegenwart beteiligt, aber als gestaltende Kraft, nicht als gestalteter Stoff: als Luft und Stimmung ist Goethes Alter darin, als Zustand, nicht als Gegenstand.

Beide Werke lösen verwandte Aufgaben auf fast entgegengesetzte Weise. Pandora ist die Zusammenfassung der abstrakten Mächte des Goethischen Daseins als eines schlechthin menschlichen, Dichtung und Wahrheit ist die Darstellung des geschichtlichen Stoffs wodurch Goethe gerade Goethe, d. h. diese einmalige geschichtliche Person, geworden und erschienen ist. Während dort alles Einmalig-Geschichtliche zugunsten des Allgemein-Menschlichen, aus Goethe Sein abgezogen, bis zur Vernichtung sublimiert, gehoben, aufgehoben werden mußte, galt es hier das reine Menschentum recht tief und dicht einzubetten in die charakteristischen Erfahrungsmassen einer geschiehtlichen Person, die er selbst war. Soweit wie die Forderungen eines philosophischen Systems von denen eines Geschichtswerks war die Aufgabe der Pandora getrennt von der die Goethe sich in Dichtung und Wahrheit gestellt hatte.

Hier lag denn auch das eigentliche Problem für Goethe, wenn er seine eigne Lebensgeschichte schreiben wollte, die Schwierigkeit, zumal für einen an Naturgesetzen orientierten Geist, einen geschichtlichen, d. h. scheinbar willkürlichen und zufälligen Ablauf als solchen zu erzählen, die Lockung aus der Tatsachenmasse sein Lebensbild zu formen, saftiger und gedrungener, aus farbigerer Anschauung als bisher, und doch zugleich distanzierter und objektiver. Fern genug durch sein Alter und gefüllt genug durch seine Erinnerungen, bedeutend genug für die Welt und saturiert genug für sich, durfte er jetzt zu einer Verewigung der geschichtlichen Gestalt „Goethe“, zu der er von Freunden aufgefordert ward und die niemand in der Welt so leisten konnte, sich bereiter halten als je zuvor.

Von vornherein gegeben war ihm dabei die Gewißheit daß er diese Aufgabe als Dichter lösen müsse und nicht als bloßer Historiker, wie er auch die philosophische Aufgabe der Pandora als Dichter und nicht als Systematiker gelöst hatte. Ein dichterisches Sinnbild mußte auch seine Biographie werden, mochte sie an die Philosophie grenzen durch die Begriffe wonach er den Stoff ordnete oder an die Geschichte durch den selbständigen Wert des Stoffs gegenüber der Gestaltung. Es ist vielleicht der einzige grundsätzliche Unterschied zwischen dem künstlerischen Geschicht-Schreiber, wie Thukydides, Tacitus oder Ranke, und dem dichterischen Erzähler, daß für jenen der Stoff über oder neben der Darstellung sein Gewicht und Eigenrecht behält, für diesen nur als Substrat der Form dient. Bei Geschichtschreibern dunkler oder mythischer Zeiten, wo die Überlieferung und Phantasie sich vermischen, wie bei Herodot, Livius oder orientalischen und mittelalterlichen Chronisten, ist zwischen beiden Arten künstlerischen Berichtes kaum eine Grenze. Das war für Goethe als Dichter neu: sein biographischer Stoff hatte eigene Rechte, und konnte nicht beliebig sublimiert werden, wenn das Werk den geschichtlichen Ansprüchen genügen sollte durch die es angeregt war. Es war weder ein erfundener noch ein gefundener Stoff, der sein Gesetz und seine Form von der Seele des Dichters erst empfangen mußte, sondern er brachte eine eigene Seele mit. Goethe konnte „sein Leben“ nicht mit gleicher Unbedingtheit entstofflichen wie den alldeutbaren griechischen Mythus oder die erst unter seiner Hand erwachende Faustsage oder gar die von ihm angezauberten Motive des zeitgenössischen Bürgertums. Hier begegnete ihm die gleiche Schwierigkeit die ihm das eigentlich historische Drama verleidet hatte (nachdem ihm der Götz im ersten patriotisch-ästhetischen, von Herders Geschichtspantheismus angefachten Jugendfeuer gelungen war) die seinen Cäsarplan zum Scheitern brachte, seinen Vorsatz einer Geschichte des Herzogs Bernhard von Weimar unerfüllt ließ, seinen Egmont aus einem historischen Drama zu einer bürgerlichen Tragödie mit politischem Hintergrund machte: seine bildnerische Abneigung gegen das Geschehene als rohes Faktum, und seine denkerische Abneigung gegen das Geschehen als ungesetzliches Fatum. - Wo Goethe sich der Geschichte genähert hat, tat er es vom Einzelmenschenbilde aus wie in seinem „Winckelmann“ und „Hackert“, weil er hier um eine formhafte Mitte die Masse runden konnte, oder von der Bildungs- und Ideengeschichte aus, wie in seiner Geschichte der Farbenlehre, in seinen Noten zu Cellini, zu Rameaus Neffe oder zum Westöstlichen Divan, weil hier nur die Brechung des Gesetzes an geschichtlichen Medien nachzuweisen war. In beiden Fällen war der Mensch und seine gesetzliche Entwicklung, nicht die Menschen und ihre zufälligen Ereignisse sein Augenmerk. So sehr ihn das Werden anzog, so gleichgültig war ihm das Geschehen, die Reihe der Begebenheiten, und nur wo er hoffen konnte durch eine Reihe von Begebenheiten hindurch bis an ein gesetzmäßiges Werden vorzudringen, einen einheitlichen anschaulichen Sinn in eine Folge bunter Ereignisse zu bringen, nur dort also wo er als Bildner und Weiser sich dem geschiehtlichen Stoff gegenüber behaupten konnte, nicht nur als Sammler, Forscher und Berichterstatter sich darin betätigen, lockte ihn die Geschichte.

Wenn irgendein geschichtlicher Stoff diese günstigen Bedingungen erfüllte, seinen Widerstand gegen Geschichtschreibung besiegen konnte, seine biographisch-menschliche Freiheit und Herrschaft sicherte, seine bildungs-geschichtlichen Ansprüche befriedigte, obendrein ihm klar und gegenwärtig war und ihn von bloß papierner, lückenhafter Überlieferung unabhängig machte, so war es sein eigenes Leben. Und noch ein tieferer, ihm selbst vielleicht kaum bewußter Grund mochte dem alten Goethe eine geschichtliche Aufgabe jetzt fruchtbarer machen: die Zusammenschau von Natur-und Schicksalsgesetz, deren dichterische Wirkung wir in den Wahlverwandtschaften gefunden haben, die Ausscheidung des Zufalls und der Willkür als geschichtlicher Faktoren, der Glaube an ein „werdendes Gesetz“ auch im Menschengeschehen, zu dessen Anschauung erst der alte Goethe gelangt war. Damit konnte auch seine Biographie, mehr als er es in früheren Jahren vermocht hätte, der historischen Willkür entkleidet, gesetzlich durchgebildet werden. Erst die Weltschau die ihm die Wahlverwandtschaften ermöglicht hatte konnte auch seine Sprödigkeit gegen eine historische Aufgabe überwinden.

Denn eine historische Aufgabe blieb es trotz aller der erwähnten Vergünstigungen womit sie seinem Künstler-und Denkertum entgegenkam: sein Werden mußte er unter der Form eines Geschehens darstellen, dem gegenüber er nicht frei war wie gegenüber seinen Romanstoffen, dessen Anfang und Folge er nicht bestimmen und willkürlich andern durfte und das auch dort durchdrungen sein wollte wo es ihm schon entfremdet war. Wie sich die Aufgabe für ihn darstellte, eh er an die Arbeit ging, hat er selbst im Vorwort endgültig formuliert: „Indem ich jener . . Forderung zu entsprechen wünschte, und mich bemühte die inneren Regungen, die äußern Einflüsse, die theoretisch und praktisch von mir betretenen Stufen, der Reihe nach darzustellen: so ward ich aus meinem engen Privatleben in die weite Welt gerückt, die Gestalten von hundert bedeutenden Menschen, welche näher oder entfernter auf mich eingewirkt, traten hervor; ja die ungeheuern Bewegungen des allgemeinen politischen Weltlaufs, die auf mich, wie auf die ganze Masse der Gleichzeitigen, den größten Einfluß gehabt, mußten vorzüglich beachtet werden. Denn dieses scheint die Hauptaufgabe der Biographie zu sein, den Menschen in seinen Zeitverhältnissen darzustellen, und zu zeigen, in wiefern ihm das Ganze widerstrebt, in wiefern es ihn begünstigt, wie er sich eine Welt-und Menschenansicht daraus gebildet und wie er sie, wenn er Künstler, Dichter, Schriftsteller ist, wieder nach außen gespiegelt. Hierzu wird aber ein kaum Erreichbares gefordert, daß nämlich das Individuum sich und sein Jahrhundert kenne, sich, in wiefern es unter allen Umständen dasselbe geblieben, das Jahrhundert, als welches sowohl den willigen als unwilligen mit sich fortreißt, bestimmt und bildet. Wenn einer, so durfte Goethe sich die Kraft zur Erfüllung dieses Doppelanspruchs Zutrauen, der sich auf die Wahrheit der Darstellung bezieht, und etwa den allgemeinen Historikertugenden „Quellenkunde“ und „historischer Sinn“ oder niedere und höhere Kritik entspricht. Die Hauptquelle war sein eignes Gedächtnis, und die Grundlage seines historischen Sinns für die zu behandelnde Zeit war seine Erfahrung und Weltweisheit.

Aber nicht nur als Geschichtsschreiber, sondern als Dichter hatte er sein Leben zu behandeln, und der Titel „Dichtung und Wahrheit“ mag wohl gleichzeitig mit dem Entschluß entstanden sein den Wunsch seiner Freunde zu erfüllen. Als Dichter hatte er die Rechte der Form gegenüber den als berechtigt anerkannten Ansprüchen des geschichtlichen Stoffs zu wahren: planmäßige Abrundung des Ganzen zu einem einheitlichen Kunstwerk, Beziehung aller Teile und Schichten auf eine gemeinsame geistig sinnliche Mitte, einen „Helden“, Einheitlichkeit der Handlung bei aller Mannigfaltigkeit der Vorgänge, Sinnbildlichkeit und Schönheit jeder Einzelschilderung unabhängig von ihrem Quellenwert und ihrer historischen Tatsächlichkeit, und menschlich kosmische Fülle der geschilderten Vorgänge jenseits ihres geschichtlichen Zusammenhangs. Also dieselben Gebote die Goethe bei seinem großen Bildungsroman befolgte galten ihm auch für seine Selbstbiographie, nur unter dem erschwerenden Umstand daß er sie hier mit den Geboten der Geschichtschreibung in Einklang zu bringen hatte: auch dies bedeutet der Doppeltitel „Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit.“ Wenn Goethe die Wirkung Friedrichs des Großen schilderte, so hatte er nicht nur die Ausstrahlung einer weltgeschichtlichen Person, die Brechung des weltgeschichtlichen Daseins in den Zeitgenossen festzustellen, sondern auch das seelische Erlebnis eines Knaben und einen magischen Vorgang. Die Freundschaft mit Herder war ein deutsches bildungsgeschichtliches Ereignis, und als solches zu verdeutlichen, aber zugleich eine menschliche Beziehung .. die Sesenheimer Liebschaft war zugleich eine biographische Tatsache und ein poetisches Idyll .. Straßburg war ein kulturgeschichtlicher Schauplatz und eine sinnlich zeitlose Landschaft: kurz, in jeder Einzelheit seiner Lebensgeschichte fand Goethe den Doppelsinn, der seine Dichtung lockte und seine Wahrheit verpflichtete. Vor allem aber war er selbst als der Held dieser Biographie zugleich ein berühmter, geschichtlich wirksamer und deutlicher Charakter, der Hauptsvertreter einer bestimmten deutschen Kulturepoche, und außerdem ein Mensch schlechthin, mit Leidenschaften, Bestrebungen, Schicksalen, wie nur irgendein dunkler geschichtloser Jüngling. Daß er über seine geschichtliche Bedeutung hinaus eine menschliche und eine kosmische verkörperte, das allein konnte sein Dichtertum zu dieser Arbeit reizen. Hier fand er die Einheit von Geschichtlich-Individuellem und Allgemein-Menschlichem die er im Staaten- und Völkerleben vermißte — und wenigstens im eignen Leben erschien ihm das historische Kostüm zugleich mit dem ewigen Gehalt seines Wesens. Wo er sich in allgemein gültigen Wechselwirkungen mit der Welt und diese Welt nicht nur als Gesellschaft, sondern als Geschichte fühlte, war er davor bewahrt als Biograph ein beliebiges Privatleben zu beschreiben, urd als Dichter eine bloße Variante zum Wilhelm Meister zu liefern, mit einem passiven Helden, andern als an einem eigentlich gleichgültigen Reagens die Bildungskräfte der äußeren Welt sich vergegenwärtigen.

Zwar auch in seiner Biographie hat Goethe, wir werden sehen warum, sich weit mehr als empfänglichen denn als wirkenden Menschen dargestellt: aber der Empfänger war als der Goethe, nicht als ein Wilhelm Meister, und die Wirkungen als Zeitalter Friedrichs und Goethes, nicht als romanhafte Gesellschaft geschaut .. und war der Spielraum der Goethischen Einbildungskraft und Erfindungsgabe, gegenüber dem Wilhelm Meister, begrenzt, so gab ihr hier der bloße Stoff schon ein Interesse und eine Würde mit und voraus, die er im Bildungsroman mit allem Genie kaum einholen konnte. Goethe der Dichter gewann durch die Dignität des historischen Stoffs, Goethe der Historiker durch die Lebendigkeit der dichterischen Form in der er sein Leben sehen durfte, und man billigt den Spott Goethes, als man aus bequemem Widerspruch gegen den zweideutigen, nämlich doppel-sinnvollen Titel Dichtung und Wahrheit die Lebensbeschreibung Jean Pauls als „Wahrheit aus seinem Leben“ aushängte. „Als ob die Wahrheit aus solchem Leben etwas anderes sein könnte, als daß der Autor ein Philister gewesen.“ Denn jedes bloße Privatleben, selbst das größte und kulturhistorisch wirksame, ist philisterhaft, d. h. seinem äußeren Ablauf, seiner feststellbaren Tatsachen Wahrheit nach in Vergängnis verhaftet, wenn darin nicht, eben durch dichterische Schau, durch Traumschau, durch Vision, der ewige Sinn alles Menschengeschehens fühlbar und sichtbar wird. So zeitlich und eng wiederum ist nichts, daß es für den Seher nicht zurückdeute auf den unerschöpflichen Urgrund aus dem die Erscheinungen stammen. Dies hat Goethe mit Dichtung und Wahrheit versucht, sein Leben vergegenwärtigt als die „Zeitwerdung überzeitlicher Kräfte.“ Dazu aber bedurfte er außer seinem historischen Wissen auch sein dichterisches Schauen, außer seiner Erfahrungswahrheit, die in der Gegenwart und Vergangenheit zu Hause war, auch seine Dichtung, die ihre Normen und Formen von der Ewigkeit empfing. 

Zu der dichterischen Vorarbeit gehörte zunächst die Abgrenzung der darzustellenden Lebensperiode und die Gliederung des Stoffs. Goethe hatte sein Leben zu schildern als ein Werden, gemäß den Erwartungen der Freunde, die gerade erfahren wollten wie das was er der Welt war geworden sei, und gemäß seiner eigenen Anlage, welche alle Geschehnisse nur als Träger eines Werdens empfand. Als Gegenstand seiner Biographie kam demnach nur der eigentliche Zeitraum seines „Werdens“ in Betracht, während dessen seine Kräfte zur völligen Entfaltung und Deutlichkeit gelangten und nach dessen Abschluß wohl ihr Wirkungsbereich und ihre Anwendungsart, aber nicht mehr ihr Wesen sich erweitert: wie ja auch das körperliche Wachstum als „Wachstum“ einmal abschließt, obwohl dieselben Wachstumskräfte nachher noch fortwirken — das fällt aber nicht mehr unter den prägnanten Begriff „Werden“ oder „Entwicklung“. Sein „Werden“ konnte Goethe mit der Berufung nach Weimar oder mit der italienischen Reise abschließen, je nachdem er den Beginn oder den Abschluß seiner geistigen Mannwerdung als Epoche ansah.

Daß er die Berufung nach Weimar als Abschluß vorzog hatte geschichts-schreiberische und dichterische Gründe. Die Zeit zwischen 1776 und 1786 umfaßte Verhältnisse und Personen die sich, als noch in seinem Alter nicht nur nachwirkend sondern mitwirkend, einer historischen Darstellung entzogen. Weimar war noch gegenwärtiger Schauplatz, der Herzog noch ein unmittelbarer Mitspieler seines Lebens, und die Geliebte jener Jahre war seine vergrämte Nachbarin. Und künstlerisch bot gerade dies Jahrzehnt heftiger und dumpfer Vorbereitung, vielfältiger zersplitterter Tätigkeit ohne vollendete Produktion kein sinnlich befriedigendes Bild, wie die vorher* gegangenen Sturm-und-drang-jahre, trotz der Weimarer „tollen Zeit“ mit ihren Misels, Jagden und Amtsfahrten durch thüringische Landschaften, trotz des Gartenidylls am Stern. Alle diese sinnlich gehobenen Momente einer zerfahrenen Zeit der Sammlung hatten ihren Schwerpunkt und Kern nicht in sich selber, wie die Straßburger, Frankfurter, Wetzlarer Gärungen, waren nicht durch sich selber schön, stark oder fruchtbar, sondern erst durch Ergebnisse die in eine spätere Zeit fallen.. erst nach der italienischen Reise ward gereift und geerntet was die ersten Weimarer Jahre gesät hatten, während Sesenheim und Wetzlar als Situation, Stimmung, Wirkung und Leistung gleich und zugleich bedeutend sind. So war die Berufung nach Weimar der gegebene Abschluß, der biographisch zu behandelnden Vergangenheit für Goethe. Danach begann das Leben auf dem Schauplatz seiner Gegenwart, das keiner fortlaufenden geschichtlichen Erzählung mehr benötigte, weil es nicht im selben Sinn mehr „Werden“ war wie seine Jugend, oder weil in einzelnen Bekenntnissen die wichtigsten Krisen und denkwürdigsten Erfahrungen, wie die italienische Reise oder der Feldzug in Frankreich, bereits verewigt waren. Dazu konnten als Ergänzungen jederzeit die Briefwechsel mit den wirksamen Zeitgenossen kommen, zumal der mit Schiller.



Keine Kommentare: