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2016-03-08

Gedichte von Kurt Tucholsky: Aussperrung (12)




  Aussperrung

Hier stehn wir in dem Garten
und warten, warten, warten,
Vater kommt nicht.
Bei Krauses wird gleich geschlossen;
er ist bei den Genossen . . .
Vater ist ausgesperrt.

Durchs Rheinland zieht es brausend –
sie haben Zweihunderttausend
aus den Fabriken gezerrt.
Wir stehen hier und darben;
es blühn die IG-Farben –
Vater ist ausgesperrt.

Wir sind dazu da, um später
an Stelle unserer Väter
an den gleichen Schraubstock zu gehn.
Großmutter, sag es den Kleinen:
sie sollen vor Hunger nicht weinen,
sie sollen gerade stehn –!
Mit Vater und dem ganzen Chor:
Brüder!
Zum Licht, zur Freiheit empor –!

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