> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Kurt Tucholsky: Das Königswort (25)

2016-03-09

Gedichte von Kurt Tucholsky: Das Königswort (25)




Das Königswort

Dies ergötzte hoch und niedrig: Als der edle König Friedrich, August weiland
von ganz Sachsen, tat zum Hals heraußer wachsen seinem Volk, das ihn
geliebt, so es billigen Rotwein gibt – als der König, sag ich, merkte, wie der
innre Feind sich stärkte, blickt er über die Heiducken, und man hört ihn leise
schlucken.. Und er murmelt durch die Zähne: »Macht euch euern Dreck
alleene!« Welch ein Königswort! Wahrhaftig, so wie er – so voll und saftig ist
sonst keiner weggegangen. Wenn doch heute in der langen langen Reihe
unsrer Kleber, Wichtigmacher, Ämterstreber, einer in der langen Kette nur so
viel Courage hätte, trotz der Ehre und Moneten schnell gebührend abzutreten!
O, wie ich sein Wort ersehne: »Macht euch euern Dreck alleene!« Edler
König! Du warst weise! Du verschwandest still und leise in das nahrhafte
Zivil. Das hat Charme, und das hat Stil. Aber, aber unsereiner! Sieh, uns
pensioniert ja keiner! Und wir treten mit Gefühle Tag für Tag die Tretemühle.
Ach, wie gern, in filzenen Schuhen wollten wir gemächlich ruhen, sprechend:
»In exilio bene! Macht euch euern Dreck alleene!«

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