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2016-03-13

Gedichte von Kurt Tucholsky: Memento (90)




 Memento

Uns Junge hat es umgerissen –
wir stehen draußen so im Feld,
wir glaubten schon, zu halten und zu wissen –
und da versank die ganze Welt.

»Die Welt ist falsch!« Sie ist doch kein Exempel,
wozu der Lehrer seine Lösung hat –
sie ist real und warf uns alle Tempel
und, was wir lieb gehabt, um – wie ein Kartenblatt.

Ihr mahnt den Jüngling, tapfer durchzuhalten.
Gewiss, das scheint ja seine Pflicht –
doch was da in ihm war vom guten, alten,
das gibts in Zukunft alles nicht?

Der neue Wert, die neue Stufenleiter,
der oben und der unten – seltsam Spiel:
Hier gilt die Faust, der Säbel und der Reiter –
das was wir ehren, gilt nicht viel.

Muß das so sein? So darfs nicht bis zur Neige,
nicht bis zum Ende gehn. Wir bleiben rein.
Wir halten durch – es scheint mir gar nicht feige:
Soldat und doch ein Bürger sein!

Sprecht euerm Jungen von der Kriegertugend,
doch davon auch, wenn hart der Panzer klirrt:
Daß er den Träumen seiner Jugend
soll Achtung tragen, wenn er Mann sein wird!

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