> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Kurt Tucholsky: Säcksche Festspiele (112)

2016-03-15

Gedichte von Kurt Tucholsky: Säcksche Festspiele (112)





Säcksche Festspiele

 In jeder Stadt streicht ein Nabolium sich die schwarze Locke
aus seiner Stirn –
jedweder Bürger prangt in prallem Waffenrocke
und einem blanken Pappmaché-Theaterhirn.

Zweihundert Pferde machen Staub und andre Sachen –
ein Böller kracht . . .
Handlungsgehilfen, Handwerksmeister wachen
lang hingestreckt, auf Posten, in der Sommernacht.

Ein Orden winkt; laut klopfen aller Herzen –
bengalisch Feuer flammt . . .
Ein Sängerchor greift tief erregt in falsche Terzen,
Nabolium schwitzt, und Yorckn rutscht die Hose – au verdammt!

Die Brücke fliegt! Gehulter und Gepulter . . .
Ein lebend Bild – wer hätte das gedacht!
Und nachher kloppt der Zar dem Friedrich Wilhelm auf die Schulter:
»Das hammer ganz fermost gemacht!«

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