> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Kurt Tucholsky: Verfehlte Nacht (128)

2016-03-15

Gedichte von Kurt Tucholsky: Verfehlte Nacht (128)



 Verfehlte Nacht

  Heute wollte die Gnädige bei mir schlafen –
und ich freute mich auf unsres Glückes Hafen.

Aber die, die längst in den Gräbern ruhen,
weiß betogat und mit weißen Schuhen,

jene alten, weisen, würdigen Kirchenväter
wandern schaurig hinteinander durch den Äther . . .

Ach, ich muß sie alle, alle lernen,
und dann ziehn sie wieder in die nebelhaften Fernen.

Meine Nacht beim Teufel – die verfluchten Frommen!
Wirst du nächste Woche zu mir kommen? –

Sieh, dann sind sie fest in meinem Kopf gefangen.
und ich will vergnügt nach deinen Brüsten langen!

alle Gedichte v. Tucholsky                                                                                                          weiter

Keine Kommentare: