> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Kurt Tucholsky: Wünsche (137)

2016-03-16

Gedichte von Kurt Tucholsky: Wünsche (137)



  Wünsche

 Die gnädige Frau ist hell und blond,
von sommerlichem Licht durchsonnt –
sie scheint sich schlechtgeraten.
Braun will sie sein, das dumme Kind,
braun, wie Zigeunerweiber sind –
und läßt am Strand sich braten.

Jung-Deutschlands Dichter gehn zur Zeit
in Fritz von Schillers Schülerkleid –
(der war nicht so behende).
Vom Recken wird man noch nicht groß;
bleibt ruhig noch auf Mutterns Schoss:
sie hat die klügern Hände.

Alt-Deutschland macht in Politik
und zieht Bilanz aus diesem Krieg:
Indien muß badisch werden!
Ägypten her! die Ostsee auch!
Wir treten alle vor den Bauch
mit sieghaften Gebärden!

Und so hat jeder was zu schrein.
Der Neger will ein Weißer sein,
der Fußfantrist ein Reiter . . .
Wir wollen aufrecht stehn, mein Kind,
und bleiben, was wir selber sind!
Ich glaub, das ist gescheiter.

alle Gedichte v. Tucholsky                                                                                                          weiter

Keine Kommentare: