> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte zu Ostern Mörike, Gellert, Herder usw. Teil 6

2016-03-21

Gedichte zu Ostern Mörike, Gellert, Herder usw. Teil 6




Osterhäslein 


Friedrich Wilhelm Güll

Drunten an der Gartenmauer
hab' ich sehn das Häslein lauern.
Eins, zwei, drei -
legt's ein Ei!
Lang' wird's nimmer dauern.

Kinder, laßt uns nieder ducken!
Seht ihr's ängstlich um sich gucken?
Ei, da hüpft's
und dort schlüpft's
durch die Mauerlücken!

Und nun sucht in allen Ecken,
wo die schönen Eier stecken,
rot und blau,
grün und grau
und mit Marmorflecken!

 Osterpredigt in Reimen 

 Otto Julius Bierbaum

Verehrter Mitmensch, höre und vernimm
Freundwillig mit Hulden und ohne Grimm:
Dieweil es nun Ostern geworden ist,
Sollst du, von welcher Art du auch bist,
Ob Heide, Jude, Moslem, Christ,
Durchaus vergnügt im Herzen sein,
Osterwürdig und osterrein.

Mit einem Birkenreise kehre
Aus deiner Seele den Geist der Schwere!
Der Wenns und Abers und Achs und Os,
Die hart und starr dein Herz umwindet,
Daß der Geist der Leichte kaum Eingang findet,
Mache dich hurtig und heiter los!

Du brauchst nichts weiter dazuzutun,
Als dich im Grünen auszuruhn.
Da atmet sichs sehr wonnig ein,
Was dir das Herz macht frei und rein:
Der jungen Blumen frischer Hauch;
Und die Augen haben der Wonne auch,
Denn nichts ist lieblicher anzusehn,
Als wie sie da hold beisammenstehn,
Blau, weiß und rosa, klar und licht,
Der Erde süßestes Ostergedicht.

An ihnen dir ein Beispiel zu nehmen,
Sollst du, ach Mensch, dich keineswegs schämen!

Vergiß dein Gehirn eine Weile und sei
Gedankenlos dem lieben Leben
Blumeninnig hingegeben;
Vergiß dein Begehren, vergiß dein Streben
Und sei in seliger Einfalt frei
Des Zwangs, der dich durchs Hirn regiert!

Er hat dich freilich hoch geführt
Und vieles dir zu wissen gegeben,
Aber das allertiefste Leben
Wird nicht gewußt, wird nur gespürt.
Der Blumen zarte Wurzeln fühlen
Im keimlebendigen, frühlingskühlen
Erdboden mehr von ihm als du.
Und bist doch auch ein Kind der Erde.
Daß sie nicht sinnenfremd dir werde,
Wende ihr heut die Sinne zu!

Das ist der festlich tiefe Sinn
Der Ostertage: Mit Entzücken
Sollst du zum Mutterschoß dich bücken.
Gib heut, o Mensch, dich innerst zu beglücken,
Der Mutter Erde frühlingsfromm dich hin!
   Ostermorgen  

Luise Hensel

Maria geht zum Grabe
Mit stillem, raschem Schritt;
Sie trägt die duft'ge Gabe;
O Heil'ge, nimm mich mit!
Du bringst Ihm fromme Gabe,
Voll Trauer und voll Schmerz;
Und weil ich sonst nichts habe,
So bring' ich Ihm mein Herz.

Er wird es doch wohl nehmen?
Es ist voll Sünd' und Reu';
Er wird sich mein nicht schämen,
Der Heiland ist getreu.
Herr, Du mußt selbst es reinen,
Von Sünden machen frei
Und es mit Dir vereinen,
Auf daß es heilig sei.

Dein göttliches Erbarmen,
O Herr, umfange mich,
Daß ich mit meinen Armen
Umfasse nichts als Dich.
Kein Sehnen und kein Bangen
Laß in mein Herz hinein;
Mein Langen und Umfangen,
Das gelte Dir allein.

Mein Gott! mein Herr! laß sterben,
Laß sterben mich mit Dir,
Ich muß ja doch verderben
Vor Deiner Grabesthür.
Mein Heil! mein Gott! laß leben
In Dir mich ewiglich,
Mit Dir hinüberschweben,
O Herr, nicht lasse mich!
Osterlied 

Christian Fürchtegott Gellert

Jesus lebt, mit ihm auch ich.
Tod, wo sind nun deine Schrecken?
Er, er lebt, und wird auch mich
Von den Toten auferwecken.
Er verklärt mich in sein Licht;
Dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt, ihm ist das Reich
Über alle Welt gegeben;
Mit ihm werd auch ich zugleich
Ewig herrschen, ewig leben.
Gott erfüllt, was er verspricht;
Dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt, wer nun verzagt,
Lästert ihn und Gottes Ehre.
Gnade hat er zugesagt,
Daß der Sünder sich bekehre.
Gott verstößt in Christo nicht;
Dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt, sein Heil ist mein;
Sein sei auch mein ganzes Leben.
Reines Herzens will ich sein,
Und den Lüsten widerstreben.
Er verläßt den Schwachen nicht;
Dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt, ich bin gewiß,
Nichts soll mich von Jesu scheiden,
Keine Macht der Finsternis,
Keine Herrlichkeit, kein Leiden.
Er gibt Kraft zu dieser Pflicht;
Dies ist meine Zuversicht.

Jesus lebt, nun ist der Tod
Mir der Eingang in das Leben.
Welchen Trost in Todesnot
Wird er meiner Seele geben,
Wenn sie gläubig zu ihm spricht:
Herr, Herr, meine Zuversicht!
   Ostergesang 

Johann Gottfried Herder

Strophe.

Er ist Sieger, der mit dem Tode rang,
Die mächt'ge Lanze durchlief, mitten im Herzen
Umwand, sie, die jede Nerv' mit Schmerzen
Der Hölle durchgrub, zerbrach! - Triumph sei Dank!
Denn er schrie: »Vollbracht!« und sank
Hin. Und Du wirfst dem schlafenden Sieger
Bande der List um, Satanssklave, Tod?
Siegelst ihn in die Felsenspalt' als todt
Und bettest über sein Haupt Henkerskrieger?
Den Heil'gen Gottes zu bestreun
Mit nagendem Moder, kommst Du, Tod?
»Der Tod ist über Dir, Simson-Gott!«

Antistrophe.

Gott sprach's! - In der Höll' hört' er's, entsprang
Dem Erdenbauch als Erstgeborner! Zerrissen
Sind Todesstricke! Faden zu seinen Füßen!
Hieltet Ihr ihn, da in den Othemgang
Des entrauschten Riesen Leben drang?
Sich fühlt' er, und fuhr das Erderbeben
Herab in den Höllenpfuhl wie zückender Blitz,
Zersprengte den Kreis wider ihn um Belial's Sitz!
Kannst Du, zertretnes Schlangenhaupt, Dich heben?
Schaugetragne Hölle, wo ist Dein Sieg?
Vom Sündengift entmarket, glänzt, sieh, Tod!
Dein Stachel in seiner Ferse! Denn Gott

Epode.

Gab Triumph! Welt, hüpfe, wie Reh im Thau,
Verjüngt! - Dein Nichts, sein Moder! - Er sah ihn nicht
Und stützte Deiner bebenden Angeln Bau,
Da der Morgenstern, blaß am Gesicht,
Noch das Schuldsiegel sah; und die dritte Sonne schon - -
Gelobt! Ihr Sabbathsbote durchs Morgenthor
Fand Gräber zerbrochen und Siegel und Thor!
Wo er lag, da lag er nicht mehr!
Steh still ums Grab, tobender Könige Heer!
»Wenn er liegt, denn steht er nicht mehr!«
Er stehet: bebt! Sein Schemel ist Eu'r Thron,
Sein Scepter (küßt die Ruthe!) droht Gericht,
Eurem Nacken sein Fuß! - denn Ueberwinder ist er!

Strophe.

Es brachen die Himmel und träufelten ab,
Wie Thau, aufs Grab die Engel des Siegs. Zusammen
Stürzten die Römer wie todt; denn Mahanaim's Flammen
Bekränzten, Siegespforten, das Grab,
Und dem Heiligen fielen die Todesband' ab!
Denn: »Er lebt!« so sprach der Glanz; da fuhren
Aus sich die Weiber, das Oel aus der Hand,
Und liefen! »Ich bin's, der Euch erstand. -
Maria!« »Bist Du's, Rabbuni?« »Ich fahre
Zu Gott auf; doch Euch will ich sehn.«
Sie sahn ihn; Frieden umher blies er: »Ich überwand!
Hier nehmt der Sünder Lösungsband,«

Gegenstrophe.

»Die Beute der Schlacht, wie der Weltgurt breit,
Allmächtig, und knüpft die Erd' an Himmel!«
Da flogen sie, wie ins Nachtgetümmel
Siegesfeuer, und wo die Zunge Flammen streut,
Siegt des Erweckten Herrlichkeit!
Umtanzt, umtanzt, Lahme, sein Grab! Ihr Stummen, lallet
Das mächt'ge Säuglingslied! Dreht, Blinde, den Blick
Von der Sonn' auf unsern Reihn zurück,
Von dessen Echo des Erdsaums Ufer schallet,
Den er aus dreitaglanger Nacht
Wie Morgenroth zum Siege beglänzt! - Mein Blick

Epode.

Wird weit! Von oben und unten des Balls,
Von früh und spät kommt fluthende Wallfahrt, streut
Myrrh' und Lorbeer ans Grab und zieht durch seines Falls
Schatticht Lager herauf, durchs Lichtthor, weit
Ueber sterbender Augen Sonnenbahn,
Zum Thron, den der Gottmensch ihnen erringt,
Der ihre Palm' zu seiner Siegskron' schlingt
Und prangt; sie prangen! - doch hoch wagt' ich's empor,
Der außen an Aegyptens Drangsalsthor
Einen Psalm sang, mitten im tanzenden Chor.
Hallelu! des Osterlamms Fahn'
Hat sich dieser erste Frühlingstanz geweiht!
Denn ihn, den welken, trug, o Christenheit,
Dein Jubel! Hallelujah!
Karwoche

Eduard Mörike

O Woche, Zeugin heiliger Beschwerde!
Du stimmst so ernst zu dieser Frühlingswonne,
Du breitest im verjüngten Strahl der Sonne
Des Kreuzes Schatten auf die lichte Erde,

Und senkest schweigend deine Flöre nieder;
Der Frühling darf indessen immer keimen,
Das Veilchen duftet unter Blütenbäumen
Und alle Vöglein singen Jubellieder.

O schweigt, ihr Vöglein auf den grünen Auen!
Es hallen rings die dumpfen Glockenklänge,
Die Engel singen leise Grabgesänge;
O still, ihr Vöglein hoch im Himmelblauen!

Ihr Veilchen, kränzt heut keine Lockenhaare!
Euch pflückt mein frommes Kind zum dunkeln
Strauße,
Ihr wandert mit zum Muttergotteshause,
Da sollt ihr welken auf des Herrn Altare.

Ach dort, von Trauermelodieen trunken,
Und süß betäubt von schweren Weihrauchdüften,
Sucht sie den Bräutigam in Todesgrüften,
Und Lieb' und Frühling, alles ist versunken!


Keine Kommentare: