> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte zu Ostern von Hensel, Herder, Gellert usw. Teil 7

2016-03-21

Gedichte zu Ostern von Hensel, Herder, Gellert usw. Teil 7


Ostermorgen 

Luise Hensel

Maria geht zum Grabe,
Mit stillem, raschem Schritt;
Sie trägt die süße Gabe;
O Heil'ge, nimm mich mit!
Du bringst ihm duft'ge Gabe,
Voll Trauer und voll Schmerz;
Und weil ich sonst nichts habe,
So bring' ich ihm mein Herz.

Er wird es doch wohl nehmen,
Es ist voll Sünd' und Reu';
Er wird sich mein nicht schämen,
Der Heiland ist getreu.
Herr, du mußt selbst es reinen,
Von Sünden machen frei,
Und es mit dir vereinen,
Damit es heilig sei.

Dein himmlisches Erbarmen
O Herr, umfasse mich,
Daß ich mit meinen Armen
Umfange nichts als dich.
Kein Sehnen und kein Bangen
Laß in mein Herz hinein;
Mein Langen und Umfangen
Das gelte dir allein.

Mein Gott, mein Herr, laß sterben,
Laß sterben mich mit dir,
Ich muß ja doch verderben
Vor deiner Grabesthür.
Mein Heil, mein Gott, laß leben
In dir mich ewiglich,
Mit dir hinüber schweben,
O Herr, vergiss nicht mich!
 Osterlied 

Christian Fürchtegott Gellert

»Freiwillig hab ich's dargebracht,
Und niemand nimmt mein Leben.
Es selbst zu lassen, hab ich Macht,
Macht, wieder mir's zu geben.
Und darum liebt mein Vater mich,
Daß ich mein Leben laß, und ich
Für meine Feind es lasse.

Ich bin in meiner Niedrigkeit
Ein Ärgernis auf Erden;
Verschmäht, gegeißelt und verspeit,
Gekreuzigt werd ich werden.
Wenn alles dies vollendet ist:
So wird des Menschen Sohn, der Christ,
Nicht die Verwesung sehen.

Weil er sich selbst erniedrigt hat:
So wird ihn Gott erhöhen.
Ich leid und sterb an eurer Statt,
Dann werd ich auferstehen.
Am dritten Tag geh ich heraus,
Lösch alle Schmach des Kreuzes aus.
Als Gottes Sohn bewiesen.

Ich will euch sehn, erfreuet euch,
Euch siegreich wiedersehen;
Euch lehren, meines Vaters Reich
Und hohen Rat verstehen;
Euch den verheißnen Geist verleihn;
Und ihr sollt meine Zeugen sein,
Daß ich vom Tod erstanden.

Geht hin und lehret alle Welt;
Ich bin des Weibes Samen,
Der Samen Abrahams, der Held;
Und tauft in meinem Namen.
Wer an Gott gläubt, gläubt auch an mich.
Tut Wunder, und beweist, daß ich
Zur Rechten Gottes sitze.

Kämpft für mein Evangelium,
Und freuet euch der Leiden.
Kein Engel und kein Fürstentum,
Nichts soll euch von mir scheiden.
Man wird euch hassen, und euch schmähn,
Euch töten; dennoch soll's geschehn,
Daß eure Lehre sieget.«

Herr, unser Heil! sie hat gesiegt,
Und siegt in allen Landen,
Und zeuget, daß dein Wort nicht trügt,
Und zeugt, du bist erstanden.
Dein Kreuz, an das man dich erhöht,
Verwandelt sich in Majestät;
Du gehst aus deinem Grabe.

Gehaßt in deiner Niedrigkeit,
Warst du ein Ziel des Spottes,
Und zeigtest doch zu gleicher Zeit
An dir die Hoheit Gottes.
Dein Kreuz schien zwar der Welt ein Greul;
Doch sterben für der Feinde Heil,
Dies ist die höchste Tugend.

Dein Reich war nicht von dieser Welt,
Dein Ruhm nicht Menschenehre.
An Demut groß, an Lieb ein Held.
Und göttlich in der Lehre;
Geduldig, und von Sünden rein,
Gehorsam, bis zum Kreuze, sein;
Dies war des Heilands Größe.

Du starbst am Kreuz. Doch war dir nicht
Die Kraft des Herrn gegeben?
Wer gab den Blinden das Gesicht?
Den Toten selbst das Leben?
Und wem gehorchte Wind und Meer?
Und wem der bösen Geister Heer?
Du warst von Gott gekommen.

Nun irren mich nicht Schmach und Spott,
Noch deines Kreuzes Schanden.
Du bist mein Herr, du bist mein Gott;
Denn du bist auferstanden.
Du bist mein Heil, mein Fels, mein Hort,
Der Herr, durch dessen mächtig Wort
Auch ich einst ewig lebe.

Wir sind nun göttlichen Geschlechts,
Durch dich des Himmels Erben.
Dies ist die Hoffnung deines Knechts,
In dieser will ich sterben.
Wie du vom Tod erstanden bist;
So werd auch ich, Herr Jesu Christ,
Am jüngsten Tag erstehen.
Osterkantate 

Johann Gottfried Herder

Zum 15. April 1781.

Des Lebens Fürsten haben sie getödtet,
Den Heiland Israel's.
Sie nahmen ihn und würgten ihn.

Der Fromme geht dahin,
Und Niemand ist, der es zu Herzen nehme;
Der Heilige wird weggerafft,
Und Niemand achtet drauf.

Aber Deine Todten werden leben
Und auferstehn!
Erwacht und blüht, Ihr Schlafenden unter der Erde!
Sein Thau ist Frühlingsthau. -
Allmächt'ger Schauer dringt
Durch alle Wesen! - Ringt
Das Leben und der Tod
Um seinen Fürsten? - Gott
Jehovah ruft den Sohn
Im Schooß der kühlen Nacht!
Vom tiefen Schlaf erwacht,
Sieht auf der Held und blickt empor.
Wer mag ihn halten? - Durch das Thor
Des Lebens zeucht er! Helle Schaaren,
Die in dem Arm der Nacht gefangen mit ihm waren,
Sie ziehen nach ihm, ihrem Herrn,
Wie Sterne nach dem Morgenstern;
Sie dringen zu dem Licht hervor!
Empor! empor!

Thut auf die Pforten, die Thore der Welt!
Es zeucht der König der Ehren einher!
»Wer ist der König?« Es ist der Held,
Schrecklich, mächtig, mächtig im Streit.
»Wie kommt's, Dein Kleid ist roth von Blut?«
»Ich trat die Kelter, ich trat sie allein,
Ich stritt allein am Tage der Schlacht
Und ward voll Blut.«

Thut auf die Pforten, die Thore der Welt!
Es zeucht der König der Ehren einher
Und glänzet Heil! Er glänzet Heil!
Christ ist erstanden von der Marter alle,
Deß soll'n wir Alle froh sein;
Christ will unser Trost sein!
Kyrie Eleison.

Hallelujah! Hallelujah!
Deß soll'n wir Alle froh sein;
Christ will unser Trost sein!
Kyrie Eleison.

Wie die fernabgeschiedene
Geliebte Sonne sich
Nach ihres Frühlings Kindern sehnet
Und, wenn in kalter Nacht noch matt ihr Auge thränet,
Als Morgenröthe schon den düstern Nebel bricht,
Zerreißt den Schleier und wird Licht:
So sehnet sich, so stehet der betrübten
Maria Jesus nah
Und nennt sie und ist da!

Und eilt mit jenem Paar, die nach der Ruhe flehn,
Ein Wandrer, mitzugehn.
Er raubet sanft ihr Herz und athmet fremde Gluth
In ihren lechzenden, gesunknen, kalten Muth,
Enthüllt sich und verschwindet,

Bis er die zehn geliebten
Verlorenen zusammen wiederfindet
Und Frieden ihnen giebt und haucht sie an mit Geist,
Der von der Balsamkraft des andern Lebens fleußt.

Er sucht den Irrenden in seiner Zweifel Nacht,
Der, wie vom schweren Traum erwacht,
Die Hand ihm legt in seine Wunden:
»Ich habe Dich gefunden!
Mein Herr und Gott!
Du lebest, ich bin todt.«

Und wandelt in des Morgens Frühe
Mit seinen Kindern: »Liebt Ihr mich?
Der mich nicht kannte, Simon, liebst Du mich?«
»Allwissender, o siehe
Mein Herz! ich liebe Dich.«

Auf der Lüfte heil'gem Weben,
In der Schöpfung tiefstem Leben,
Nahe meines Herzens Sehnen,
Nahe meiner Freude Thränen,
Siehe, sieh, da ist der Herr!
Siehe, sieh, da wandelt er!
Süße Stimme ruft im Leiden,
Ernste Stimme ruft in Freuden:
»Liebst Du mich?«
Ewiger, wir wollen lieben,
Lieben Dich!

(Von Anfang.)

Ach, Alles, Alles, was ein Leben,
Was Seel' und Odem in sich hat,
Soll Seele mir und Odem geben;
Denn meine Stimme ist zu matt,
Die süßen Wunder zu erhöhn,
Die ewig, ewig mit mir gehn.

O Auferstandener, wo schwebtest
Du ungesehn? In welchem Reiche lebtest,
Ein König, Du! der Retter der Natur,
Die erste, schöne, neuerwachte Blume
Auf Gottes Flur!
Und trankst der Auferstehung Kraft
Für Deinen Kelch der Leiden,
Einathmend Himmelsfreuden,
Verbreitend überall des ew'gen Lebens Saft!
Ich sehe Dich! Dein schönes Kleid
Ist Morgenroth in aller Menschen Blicken,
Die Hoffnung der Unsterblichkeit,
Dein Leib die heilige verborgne Christenheit,
Dein Angesicht Entzücken!
Ich seh'! Auf Deinem Grabe blüht
Des Lebens hoher Baum,
An dem in weitem Raum
Die Schöpfung sich aus Nacht und Moder zieht
Und ewig wächst und ewig blüht!
Was tönet aus den Grüften
Dort für Gesang hervor?
Er steiget zu den Lüften:
Das Feld der Todten wird der Auferstehung Chor.

Jesus, mein Erlöser, lebt!
Ich werd' auch das Leben schauen,
Schweben, wo mein Heiland schwebt,
Auf des schönen Himmels Auen!
Da wird Schwachheit und Verdruß
Liegen unter meinem Fuß.

Hallelujah!
Der Tod ist verschlungen in Siegsgesang!
Tod, wo ist Dein Pfeil?
Grab, wo ist Dein Sieg?
Gelobt sei Gott, der uns den Sieg gegeben
Durch Christum, unsern Herrn! Hallelujah!


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