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2016-05-08

Gedichte v. G.K.Pfeffel: Der Schatz (37)



Der Schatz

Im fernen Königreich Leon
Liegt eine Wunderhöhle,
Von der man tausend Jahre schon
Erzählt was ich erzähle.
Die Sage geht: auf diesem Platz
Begrub ein Magus einen Schatz
Von einer Tonne Goldes.

    Ihn hätte mancher gern geraubt;
Jedoch ein schwarzer Drache,
Ein Bastart Satans, wie man glaubt,
Hielt vor der Höhle Wache,
Und wollte sich ein Kämpfer nahn,
So ward er stracks an seinen Zahn
Wie ein Kapaun gespießet.

Dieß hörte Junker Theogan
Aus Rhätiens Gebirgen
Und warb zweihundert Reuter an,
Das Unthier zu erwürgen.
Mit diesem Heere trabt der Held
Drey Monden lang durch Thal und Feld
Und wechselt manchen Gulden.

Der letzte war bereits verzehrt,
Als er den Ort erblickte,
Und mit den Seinen, wohl bewehrt,
Sich froh zum Kampfe schickte.
Sie fielen mit vereintem Muth
Den Lindwurm an, der Höllenwut
Aus seinen Augen sprühte.

Doch manches Schwerdt und mancher Spieß
Zerbrach auf seinem Rücken,
Und manchen tapfern Knappen riß
Der Cerberus in Stücken.
Schon war ein Schock des Todes Raub,
Und vierzig ächzten lahm im Staub,
Als Theogan ihn fällte.

Von Blute triefend hob der Held
Den Schatz von seinem Posten:
Er fand an schönem baarem Geld
Just seine Reisekosten;
Und überdieß in einem Schrein
Ein kleines Faß mit Branntewein,
Die Wunden zu verbinden.

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