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2016-05-08

Gedichte v. G.K.Pfeffel: Der Stern (39)



 Der Stern

An den Freyherrn Joseph von Beroldingen.

Der Tiere Großherr starb. Die hohe Fakultät
Vereinte sich, um seine Majestät
Nach Standsgebühr zu balsamieren.
Man schnitt den Leichnam auf. Doch, welch ein Phänomen!
Man fand kein Herz. Die Aerzte disputieren
Sich braun und blau; Hippokrates, Galen
Und Avicenna siegt: die Herren demonstrieren
Das Gegentheil von dem, was sie vor Augen sehn,
Und streichen sich den Bart. Den Unfug zu vermeiden,
Verbot der junge Schach aus weiser Politik
Der Fakultät bey Knut und Strick
In Zukunft die Monarchen auszuweiden;
Und ließ auf allen Fall sich an des Herzens Platz
Auf seinen neuen Purpurlatz
Ein Supplement von Silberfaden sticken.
Sein Sohn umgab das Ding mit einem Strahlenkranz.
Sein Enkel wandelte, vielleicht aus Ignoranz,
Vielleicht aus bloser Lust zu flicken,
Das abgenutzte Herz in einen Stern.
Und so entstand der Klecks, womit die großen Herrn
Sich noch auf diesen Tag den leeren Busen schmücken.

Heil denen Freund! die weder Stuhl noch Band
Erhöhen kann, die uns, wie du, durch Taten sagen,
Daß sie ein Herz fürs Vaterland
Und für die Freundschaft in sich tragen.

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