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2016-05-10

Gedichte v. G.K.Pfeffel: Der verwandelte Amor (45)



 Der verwandelte Amor

Berauscht vom Wein des Großpapa
Schoß Amor einst im Scherz
Den Pfeil nach ihm, und siehe da,
Er traf ihn just ins Herz.

Da wurde Zevs von Liebe krank,
Fuhr auf die Unterwelt
Und machte manchen losen Schwank,
Den uns Ovid erzehlt.

Und als er wieder zu sich kam,
Kehrt er in sein Quartier
Und sprach zum Amor voller Schaam:
Den Streich bezahlst du mir.

Sein Zepter rührt ihn an, und husch
Sträubt sich sein blondes Haar
In einen hohen Federbusch,
Der noch geringelt war.

Er ringt die Arme; diese ziehn
In Flügel sich zurück
Von Gold und Lazur und Carmin,
Wie buntes Güldenstück.

Er wollte schreyn; stumm war der Hauch,
Der seinem Mund entgieng.
Er wollte fliehn; sank auf den Bauch
Und war ein Schmetterling.

Das arme Kind! Sein Bogen liegt
Erschlafft in träger Ruh
Und er, stets wollustathmend, fliegt
Den Blumenbeeten zu.

Itzt küßt er Nelke, Rose, Mohn
Und Veilchen und Jesmin,
Und küßt sie kaum, so schwärmt er schon
Auf andre Blumen hin.

Des kleinen Sünders Jammerstand
Erbarmt den Großpapa.
Auf einen Wink von seiner Hand
Stund Amor wieder da.

Nur ließ er, was von einem Gott
Wohl nicht das klügste war,
    Ihm zum Gedächtniß und zum Spott
Der Flügel buntes Paar.

Seit dem führt Amor blos zum Scherz
Sein zackichtes Geschoß;
Er heftet heut sich an ein Herz
Und läßt es morgen los.

O wohl uns, daß der Freundschaft Band
Nicht in sein Reich gehört!
Nein, Minna, selbst durch Parzenhand
Wird unsers nicht zerstört.
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