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2016-04-13

Gedichte von S. George: Herzensnacht (32)

  


Herzensnacht

Das trübe leben das mich umschliesst
Füllt meine seele nicht aus
Sie ist ein einsames haus
Um das ein nebelmeer rings sich ergiesst.

Einmal nur wurde sie mächtig belebt
Als von dem himmel ein licht
Brach durch die neblige schicht
Und durch die düsteren räume geschwebt.

Aber so kurz nur währte das glück.
Unverhofft wie es entstand
Wieder das leuchten entschwand
Und alte finsternis kehrte zurück.

     Warum schweigst du meine leier
Ist verstummt dein helles klingen
Willst auf deiner freuden feier
Junges herz du nicht mehr singen? ...

Nicht kann ich von freuden singen
Meine freude sah ich fliehen
Meinen plan sah ich misslingen
All mein glück von dannen ziehen ...

Warum nun von deinen klagen
Lässt du nicht die laute hallen? ...
Ich versuchte sie zu schlagen
Doch sie ist mir stets entfallen.

Hold nur schaut die Muse nieder
Will ich frohen sang ihr weihen
Doch sie lässt der klage lieder
Mir dem jüngling nicht gedeihen.

Ihr lüfte die ihr mild vom himmel schwebet:
Ihr warmen neuerwachten sonnenstrahlen
Die ihr der welt ein neues dasein gebet:

Ihr scheucht mit einemmal die bangen qualen
Die niemals in dem öden winter säumen
Zu düstrem grunde düstre bilder malen.

Ihr füllt das herz mit ahnungsvollen träumen
Lasst alles drückende daraus verwehen
Dass frei sich schwingend in den lieblingsräumen

Der geist frohlockt in frühlingsauferstehen.

Schon künden heissere sonnenstrahlen an
Dass sich des glückes tage wieder nahn ...
Der vögel schlag der frische hauch der blüten
Erwecken aus des winters dumpfem brüten.

Da fährt ein eisig kalter nord einher
Er lastet auf der armen erde schwer
Er trifft der blumen triebe und der bäume
Und scheucht die freudenreichen frühlingsträume.

Wie – wenn das neue sterben der natur
Auch in der seele liesse tiefe spur?
 Wenn ach entflohen kaum in ihr erneuen
Die wintergeister ihr zerquälend dräuen?

Du standest in der wolken wehen
Gehüllt in wunderbares licht
So schön und herrlich anzusehen
Und wie ein sterblich wesen nicht.

Ich armer stand im tiefen tale
Und betend blickte ich empor
Geblendet von dem hellen strahle
Betäubt vom zauberischen chor.

Nur eines kann hinauf mich heben
Zu deines thrones lichtem kreis ...
Und ach ich fühle es mit beben:
Mir grünt es spät des ruhmes reis.


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