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2016-04-25

Gedichte von Wilhelm Müller: Stundenglas und Weinglas (65)



 Stundenglas und Weinglas

Der Alte, der die Stunden mißt,
Hat Sand in seinem Glase,
Daher er auch so grämlich ist
Vom Zeh bis in die Nase.
Hätt' er im Glase unsern Wein,
Was würden das für Zeiten sein!

Da würde sie den trägen Schritt
Gar bald verlernen müssen,
Die gute Zeit, sie müßte mit
Auf Händen und auf Füßen,
Sie müßte mit uns, Zug auf Zug,
Hinauf, hinab, in leichtem Flug!

Nun aber rinnt sie stäubchenweis
Durch ihre Nadelöhre,
Und ängstlich guckt der finstre Greis,
Daß nichts den Paß ihr störe.
Und wenn das Glas ist ausgeleert,
So wird es wieder umgekehrt.

Hätt' er im Glase unsern Wein,
Ich glaub', es könnt' geschehen,
Daß dann viel flinker aus und ein
Die Stunden thäten gehen.
Das Glas wär' schneller ausgeleert
Und öfter wieder umgekehrt.

Nun, Kronus, bleib' in deinem Gang!
Ich geh' nach meinen Sinnen,
Und lasse keine Stunde lang
Mein Glas feintröpfelnd rinnen.
Hinein, heraus mit einem Zug!
Zum Schleichen ist noch Zeit genug.

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