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2016-04-25

Gedichte von Wilhelm Müller: Vergangenheit (68)



 Vergangenheit

Wann im Kreise froher Zecher
Ich in meinen vollen Becher
Schaue hellen Blicks hinein,
Wann um mich die Gläser klingen,
Und die Freunde Lieder singen
Dir zur Ehren, deutscher Wein!

Dann, dann steht's vor meinen Blicken,
Wie die goldnen Trauben nicken
Nieder in den klaren Fluß,
Wie die Wogen lustig rauschen,
Und die Winzerinnen lauschen
Auf des Fischers Abendgruß.

Und der Mond am stillen Himmel
Freut sich mit an dem Getümmel,
Das er auf der Erden sieht,
An den Fässern mit den Kränzen,
An den Liedern und den Tänzen,
Bis er sacht von dannen zieht.

Zündet an die bunten Lichter,
Daß die seligen Gesichter
Nicht die finstre Nacht bedeckt!
Wer zu selig für das Helle,
Sucht sich eine dunkle Stelle,
Wo kein Nüchterner ihn neckt.

Auch die Liebe kennt viel Wege
In dem grünen Weingehege,
Und sie alle stehn ihr an;
Denn auf krummen und geraden,
Breiten oder engen Pfaden
Geht's in Amors Kanaan.

Brüder, laßt die Gläser klingen,
Laßt ein frohes Hoch uns bringen
Unsrem alten deutschen Rhein,
Ihm und seinen jungen Reben,
Daß dies Jahr uns möge geben
Einen neuen Elferwein!

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