> Gedichte und Zitate für alle: Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 11.11.1811 (173)

2016-05-28

Briefwechsel J.W.v.Goethe und C.F.Zelter: An Zelter 11.11.1811 (173)



171. An Zelter 11.11. 1811

Die Rübchen sind glücklich angekommen, wofür Sie bei jedesmaligem Genüsse derselben den schönsten Dank haben sollen. Die Komödienzettel auf dem Grunde sind gleich zum Buchbinder gegangen. Wenn sie in schön geordnetem Volumen zurückkehren, werde ich die theatralische Bahn des vorigen Jahres aufmerksam verfolgen und mich von mancherlei dadurch belehren.

Auch Ihr lieber Brief vom 25. Oktober hat mich sehr erfreut. Daß Ihr Geschäft glücklich abgelaufen, dazu gratulier’ ich. Länder, Menschen und Anstalten haben Sie manche gesehen, und ich danke für die wenigen, aber bedeutenden Bemerkungen, die Sie mir mitteilen.

Hiebei folgt das verlangte und Ihnen längst zugedachte Büchlein. Hier tritt der Widerstreit zwischen Erziehung und Neigung und Leben viel verwickelter hervor als bei dem, was Sie uns von Ihren frühem Jahren vorlasen. Was bei Ihnen nur Zwiespalt ist, ist hier hundertspältig. Nehmen Sie das alles mit freundlichem Wohlwollen auf.

Brizzi ist wieder hier, und wir hören heute abend »Ginevra, Königin von Schottland«. Ich wünschte, daß Sie bei uns wären, teils um dieses Fest mitzugenießen, teils mir Aufschlüsse über die Komposition zu geben, damit mein Genuß zugleich sinnig und verständig wäre.

Fragen Sie doch gelegentlich meine Berliner Gegner, ob sie Ihnen nicht die Versuche, worauf es eigentlich ankomme, zeigen könnten. Tun Sie aber ja, als wenn die Frage aus Ihnen selbst käme, und suchen Sie dadurch zu erfahren, ob sie denn auch wirklich sich einen Apparat angeschafft haben, um alles darzustellen, wovon eigentlich die Rede ist.

Wenn von Komposition einer meiner Arbeiten die Rede gewesen wäre, so hätte ich nicht leicht auf die »Geheimnisse« geraten. Sie machen mich durch diese Nachricht sehr neugierig. Für diesmal nicht mehr als noch ein herzliches Lebewohl.

Weimar, den 11. November 1811. G.



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