> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte v. C.H.v. Hoffmannswaldau: Abendlied (1)

2016-05-25

Gedichte v. C.H.v. Hoffmannswaldau: Abendlied (1)



Abendlied

Der schwarze Flügel trüber Nacht
Will Alles überdecken;
Doch dies, was Gottes Finger macht,
Bringt mir geringen Schrecken.

Es ist das Aufgebot zur Ruh,
Der Abschied vieler Sorgen,
Und gar in einem kurzen Nu
Erscheint ein neuer Morgen.

Mein Jesu, bleib mein klares Licht!
Entzünd' in meinem Herzen,
Wenn mir der Sonne Glanz gebricht,
Der Andacht reine Kerzen.

Beschütze meinen Leib und Geist
Durch deines Heeres Wache,
Daß, was da Feind und Teufel heißt,
Mich nicht zu Schanden mache.

Laß gegen mich nicht Schlaf und Tod
Zusammen sich verbinden;
Laß keine Krankheit, Angst und Noth
Sich um mein Lager finden.

Hilf, daß die weiche Lagerstatt
Sich nicht zu Dornen mache.
Wohl dem, der diesen Machtspruch hat:
Herr führe meine Sache!

Laß durch die Ruh sich neue Kraft
In Geist und Adern rühren
Und deines Segens Eigenschaft
Mich auch im Schlafe spüren!

Doch laß den Schlaf zu rechter Zeit
Auch, wie die Nacht, verschwinden
Und mich in reiner Freudigkeit
Das neue Licht empfinden!

So will ich mich, so viel ich kann,
Der Erden stets entreißen,
Dich ehren und auch Jedermann
Zu dienen mich befleißen.

Mein Herze soll dein Weihrauch sein;
Ich will es dir verbrennen
Und ohne Heuchelei und Schein
Dich Herr, mich Diener nennen

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