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2016-05-10

Gedichte v. G.K.Pfeffel: Die Nelke (53)



  Die Nelke

Vom Schwarm der Weste
Verbuhlt, umweht,
Begoß Alceste
Ihr Blumenbeet.

Sie sah schon lange
Ein Nelkchen blühn,
Gleich ihrer Wange,
Weiß und karmin.

Sie wollt es pflücken,
Um ihre Brust
Damit zu schmücken,
Den Thron der Lust.

Laß, rief es bange,
Mich heut noch stehn,
Bis morgen prange
Ich noch so schön.

»Gut, ich kann borgen,
Du hast noch Frist,
Bis daß den Morgen
Bardale grüßt.«

Er kam. Es flehet,
Es klagt und ruft:
Am Abend wehet
Mein reinster Duft.

Sie gab, voll Milde,
Es wieder los,
Bis aufs Gefilde
Der Spätthau floß.

Da fand sie – Götter!
Nichts – ein Gewühl
Verdorrter Blätter
Am lahmen Stiel.

Sie starrt und drücket
Die Augen zu:
»Ach, ungepflücket
Verwelkest du!«

 Ja, seufzt es, gestern
Noch frisch, heut kahl!
Merkt, spröde Schwestern,
Euch die Moral.
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