> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Johann W.L.Gleim: Die Errettung vom Tode (37)

2016-05-20

Gedichte von Johann W.L.Gleim: Die Errettung vom Tode (37)



Die Errettung vom Tode

Das kleine Kind, mit Flügeln,
Das ich erst kennen lernte,
Im Garten meines Mädchen,
Lief iüngst mit Pfeil und Bogen,
Und mit dem vollen Köcher,
Im Garten meines Prinzen,
Und schoß nach kleinen Vögeln.
Es übte sich, ihr Schönen,
Der kleine Gott im Schiessen;
Denn er will einst, im Garten,
Euch ohne Fehler treffen.
Ich sah, verstekkt im Busche,
Den kleinen Jäger wandern.
Allein, ich muste lachen.
Er traf mit zwanzig Pfeilen
Kein Vögelchen im Garten.
 Er lief mit leisen Tritten,
Und aufgespantem Bogen,
Schnell durch die Sommerlauben,
Und fand mich hinterm Busche.
Er schüttelte den Köcher,
Es rasselten die Pfeile,
Er nikkte mit dem Kopfe,
Und sprach ein bißgen zornig:
Du meinst, ich kan nicht treffen.
Lauf nur, ich will dich schiessen.
Da schoß er mich ins Herze,
Da solt ich plötzlich sterben,
Und nicht noch einmal küssen;
Allein, ich seufzte traurig:
Nun kan ich, liebster Amor,
Mein Mädchen nicht mehr lieben!
Dis iammerte den Amor,
Drum ließ er mich nicht sterben.

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