> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte von Johann W.L.Gleim: Die Jugendlust (42)

2016-05-20

Gedichte von Johann W.L.Gleim: Die Jugendlust (42)



 Die Jugendlust

Laßt den alten Ehrenmann
Unsre Jugend schelten!
Weil er es nicht lassen kann,
Soll ers nicht entgelten.
Weiß er doch, worauf er schilt,
Was ihm ietzt so wenig gilt,
That er sonst nicht selten.

Ist es denn nicht Zeit genung
Zu den bittern Klagen?
Alter! warum wär ich iung?
Etwa mich zu plagen?
Sprich nur, ob dein Herz nicht spricht:
Thu' es erst, wenn Muth gebricht,
In den alten Tagen.

Alter schweig! ich weiß, ich bin
Auf dem rechten Wege.
Bruder sieh! mein froher Sinn
Ist nicht faul noch träge.
Sieh! es macht kein Kummerschweiß,
Nein, ein iugendlicher Fleiß
Diese Herzensschläge.

Mütter hört dem Vater zu,
Höret seine Lehren.
Bruder – – – – ich und du
Dürfen sie nicht hören.
Nimm das Glas, das Doris hält.
Wäre dis die beste Welt,
Wenn wir müßig wären?

Bruder! ia, dich lehrt der Wein
Deine Weisheitssprüche.
Könnt ich wohl dein Bruder seyn,
Wenn ich dir nicht gliche?
Nein, wir wären nicht gescheut,
Wenn ein Tropfen Lebenszeit
Ohne Lust verstriche.

Brüder! ruft die Warheit aus
Auf den Bacchusfesten.
Und die bittet auf den Schmaus,
Wählet die zu Gästen,
Welche längst, wie wir, gewußt,
Welten voller Jugendlust
Sind die allerbesten.

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