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2016-05-20

Gedichte von Johann W.L.Gleim: Die Tänzerin (52)



Die Tänzerin

Mädchen mit dem schönen Busen,
Sitze nicht so fromm im Winkel!
Sieh die frölichen Brunetten
Tanzen mit vergnügten Männern!
Sieh die Tänzer, sieh die Füsse
Fliehen, wie die schnellen Töne!
Sieh wie frölich tanzt der Haufe!
Sieh, es trennet sich der Haufe!
Sieh, das Mädchen tanzt ein Solo!
Sieh, wie reitzend wirfts die Füsse!
Sieh, wie schnell kann es sie drehen!
Sieh, sieh, sieh wie hoch es springet!
Sieh, nun schleicht es mit den Tönen!
Sieh, nun hüpft es mit den Saiten!
Sieh, nun dreht es sich im Zirkel,
Sieh, wie langsam machts die Ründe!
Sieh, nun fliegt es aus dem Zirkel,
Sieh, nun dreht sichs wieder langsam,
Als wenn Graun an seinen Tönen
Leib und Füß und Hände zöge.
Sieh, nun schleicht, nun springt es wieder!
Sahst du, wie es unterm Springen,
Schwebend mit den Füssen spielte?
Sieh, ietzt eben spielt es wieder!
Tänzerin, hör auf zu tanzen,
Denn indem ich deine Füsse
Springen, schleichen, spielen sehe,
Seh ich keinen schönen Busen.

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