> Gedichte und Zitate für alle: Goethes Briefe an Ch.v.Stein: 16.09.1776 (83)

2016-05-22

Goethes Briefe an Ch.v.Stein: 16.09.1776 (83)


(83) 16.09.1776

Dancke tausendmal beste Frau. Die Zeichnungen sind herrlich, tuschen Sie nur mehr, es ist ein erstaunend Gefühl in dem Getuschten. Lohns Gott was Sie für Lenzen thun. Ich bin in einem unendlich reinen Mittelzustand ohne Freud und Schmerz, zusammengepackt von Tausenderley Umständen ohne gedrängt zu seyn. Der Herzog wird kommen und wird ihm wohl bey Ihnen werden und ich werde nicht kommen, er wird etwa Einsiedeln mitbringen denn iemand muss er bey sich haben. Drey holde Stunden hab ich für Sie gezeichnet, und noch nichts fertig gebracht. Die Imhof hab ich auf der Redoute gesprochen, auch war sie in meinem Garten einen Abend, mit der Ilten. Das holde Geschöpf ist gedrückt - Lieber Gott -ich mag über die Menschen gar nichts mehr sagen.

Lavater schreibt mir heute »die Gräfin v. Wartensleben wird in Dessau die Religion nicht finden, die sie sich für ihren Sohn wünscht und die unser Häfelin in Marschlinz ihn lehren würde.« Schreiben Sie ihr das, ich mag gern dass sie alles höre.

Adieu. Hängen Sie dem Unglauben nicht so nach! Mein Herz ist nicht so unzuverlässig als Sie dencken. Ich habe noch so viel zu sagen - Aber Adieu.

(Weimar) d. 16. Sept. 76. G.

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