> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte v. F.v.Hagedorn: Der Hirsch, der Hund und der Wolf (15)

2016-06-16

Gedichte v. F.v.Hagedorn: Der Hirsch, der Hund und der Wolf (15)



 Der Hirsch, der Hund und der Wolf

Ein jeder Frommer tut, was man in Hamburg tut:
Das Gute glaubt er oft, allein das Böse selten.
Ihn lehrt der Lauf der Welt, daß Neid und Frevelmut
Der Tugend Henker sind, und auch die Frömmsten schelten.
Sonst ist's ein bloßes Glück, wenn einen Bösewicht
Die Unschuld und das Recht, trotz seiner Kunst! beschämen.

Ein Wolf jagt' einen Hund. Der bat, aus Zuversicht,
Den Hirsch, ihn ungesäumt in seinen Schutz zu nehmen.
Der Flüchtling wird erhört; doch ihn verfolgt sein Feind,
Und spricht: Ich komm', o Hirsch, dein einzig Kalb zu rächen.
Der Schnapphan hat's erwürgt; ich sah es, ich, dein Freund,
Und den verwirkten Hals soll ihm kein andrer brechen.
Der Hund verneint die Tat. Er fleht, und schwört dabei:
Es sei ihm, von Natur, das Wildpret recht zuwider.
Ihm zeigt der strenge Hirsch sein fürchterlich Geweih.
Beklagter seufzt und heult, und wirft sich vor ihm nieder.
Als drauf sein Kläger ihm mit neuen Zeugen droht,
Kömmt, gleich zu rechter Zeit, das Hirschkalb hergesprungen.
Den frechen Lügner trifft Verwirrung, Furcht und Tod;
Doch dieses Beispiel schreckt nur wenig Lästerzungen.

alle Gedichte v. Hagedorn                                                                                                           weiter

Keine Kommentare: