> Gedichte und Zitate für alle: Goethes Briefe an Ch.v.Stein: 02.12.1777 (183)

2016-06-14

Goethes Briefe an Ch.v.Stein: 02.12.1777 (183)


(183)

(Elbingerode) d. 2. Dez. (1777.) Nur die Freude die ich habe wie ein Kind sollten Sie im Spiegel sehn können! Wie doch nichts abenteuerlich ist als das natürliche, und nichts gros als das natürliche, und nichts pppppppppp als das natürliche !!!!! Heut wie ich auf einer Klippe sas - Sie sollen sie sehn - Wo mich Götter und Menschen nicht gesucht hätten. Ich zeichne wieder den ganzen Tag und werde doch nichts mitbringen, wie gewöhnlich. Ich hab Sie wohl sehr lieb. In der ungeheuern Natur da ich krizzelte und mirs sehr wohl war, fiel mir's ein: wenn du's nur auch heute Abend in der Grünen Stube aufhängen könntest! da ists freylich besser im Stern zeichnen. Aber dafür auch!!! Lieb Gold, Weege mit unter!! Im dreckigen Jerusalem Schwedenborgs ists nicht gröber. Und wenn nun gleich die allzufällige Nacht einem sich an Rücken hängt!! - die Trauer an den langen seichten Wassern hin in der Dämmerung! -

Mich ärgert dass ich das Messer und ein Paar dickeStrümpfe nicht von Ihnen habe, denn das sind Freunde in der Noth! - Zwar hab ich Ihren Handschuh, aber ich bin so ein ehmännischer Liebhaber dass das nicht recht fruchten will. Ohne den mindsten Unfall bin ich bis hier. Einige Frazzen wo der Poete sich nicht verläugnet ausgenommen, so sehr ich mit Kaufmanns Diener Aufmercksamkeit auf das meinige, zureisen bemüht bin! - Gar hübsch ists Auf seinem Pferde mit dem Mantelsäckgen, wie auf einem Schiffe herumzukreuzen. Gute Nacht.

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