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2017-08-14

Neujahrswunsch (26)



 Neujahrswunsch

Es saßen drei liebliche Mädchen
Einst in der Neujahres-Nacht
An ihren schnurrenden Rädchen,
Viel ward geplaudert, gelacht:

Doch spannen sie emsig und schnelle
Manch Faden silbern und fein
Beides Aempeleins freundlicher Helle
Für den künftigen Hochzeit-Schrein.

Da sprach das fröhliche Minchen:
Was würdest Du wünschen Dir
Zum Angebinde heute, Lienchen,
Und Du, Therese, Du Dir?

"Was hilft das Wünschen und Hoffen?"
Sprach Lina mit trübem Gesicht,
„Noch nie ist es eingetroffen,
Ein trifft es auch diesmal nicht.“

Doch siehe, da fuhren erschrocken
Die Mädchen, die plaudernden, auf,
Eine Fee mit goldenen Locken
Stieg aus dem Boden herauf.

„Seid, Kinder, ruhig und stille!“
Sprach freundlich die gütige Fee,
„dass ich Eure Wünsche erfülle,
Verließ ich den silbernen See,

In dessen Tiefe ich wohne,
Von goldenen Fischlein umdrängt,
Manch Kette, manch Ringlein, manch Krone
Im schönen Gemache mir hängt.“

„Nun sage erst, Minchen, was hätte
Sie gern zum Geschenke heut? „
„Gib mir eine goldene Kette!“
Rief das Mädchen erschrocken, erfreut.

“ Und Du“, sprach sie, Lina anblickend,
„Was wünschest Du, Lockige, Dir?“
„Ein Ringlein, das Fingerlein schmückend,
Gibt, gütige Göttin, Du mir.“

„Nun darf Therese noch wählen",
Sprach die Fee mit freundlichem Scherz.
Die sprach: „von himmlischen Seelen
Verlang ich ein himmlisches Herz.“

Schnell war die Göttin verschwunden,
Um Minchens Kunkel, schau, hing
Ein goldenes Kettlein gewunden
Und an Linas Rädchen der Ring.

Therese saß ruhig und stille
Bei der Schwestern spöttlichem Scherz,
Doch fühlte tief selige Fülle
Ihr reines jungfräuliches Herz.

An einem strahlenden Morgen,
Schon blühten die Bäume ringsum,
Hin heiter, ohn Gram ohn Sorgen
Die Kette einst Mina sich um:

Spazierte hoch über die Brücke
Ob dem stolzen, dem herrlichen Rhein,
Da sprang die Kette in Stücke
Und fiel in die Fluten hinein.

Bald schwand sie, bald zeigt sie sich wieder,
Rings tanzten viel Fischlein umher:
Jetzt tauchte die schimmernde nieder
Und Minchen sah sie nicht mehr.

Sie ging, es der Schwester zu klagen,
Doch diese sprach leise zu ihr:
„Oh Minchen, vor wenigen Tagen
Sprang entzwei das Ringlein auch mir.“

„Schau“, schloss sie mit traurigem Blicke,
„Wer hätte es gemeint und gedacht,
Wir blieben nur diese drei Stücke
Aus jener so fröhlichen Nacht.“

Ein Kettlein, Therese, kann springen,
Ein Ringlein ist Tand nur und Scherz,
Doch nimmer kann brechen, noch springen

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