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2017-08-17

Schloss: Veilchen (18)



Veilchen

Madonna, diese Veilchen bring’ ich dir!
Madonna, diese Veilchen! Vorübergehend
An volkbelebtem Platze bot sie mir
Ein armes Kind so scheu und flehend.

Rings durch die Stadt sah ich Stolz,Wollust, Geiz
Und jede Gier in bunten Kleidern laufen,
Ach arme Erde, deinen süssesten Reiz
Sieh hier für wenige schlechte Kupfer ver-
kaufen.

Dein süsser Reiz blickt wie das arme Kind,
So scheu und flehend in die Riesengassen,
Die voller Häuser, Wagen, Menschen sind
Und voller Tempel, längst von Gott ver-
lassen.

Mit einemmal tat mir so wunderlich
Weh jeder Schall, dies Grüssen, dunkle Blicken.
Doch stille Seitenstrassen bogen sich
Als wie zu kühleren, reineren Geschicken.

 Warum, warum trag’ ich so kranken Mut,
Da Veilchen Duft, die Beete Krokus tragen,
Warum so tiefen Winter in dem Blut,
Da sich das Feld erhebt zu grünen Tagen.

Madonna, diese Veilchen bring’ ich dir,
Das Einzige, was mir der Frühling brachte:
Sieh, sie sind welk. Sie welkten hier
An meiner Brust, da ich meiner Jugend
dachte.

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