> Gedichte und Zitate für alle: Waldkirchlein (36)

2017-08-15

Waldkirchlein (36)



Waldkirchlein

Steht arm, verlassen in dem Wald,
Kein Pilger kommt zu dir gewallt,
Lässt betend nieder sich aufs Knie
Und spricht ein frommes Ave hie.

Nur wenn erwacht des Wetters Trutz,
Dann suchen Sie hier Schirm und Schutz:
So ist's auch draußen in der Welt
Um Gottes heilge Kirch bestellt.

Doch spricht auch hier kein Pilger ein,
Die Sonne sie kehrt täglich ein,
Und schmückt mit ihrem Golde klar
Die Wände und den Hochaltar.

Wallt auch keinen Weihrauch mehr empor
Im kleinen, schlicht gewölbten Chor:
Zur Türe weht herein die Luft
Den Blumen-und den Tannenduft.

Statt des Gebetes singen hell
Die Vögel um dich, Waldkapell,
Ihr Lieb und Baum und Ast und Strauch,
Versteckt von keinem sünd'gen Hauch.

Auch fehlt's an treuer Liebe nicht,
Ein Vöglein hat sein Nest erricht'
Zunächst beim Jesuskinde dort,
Fliegt aus und ein fast immer fort,

Um bringt den Jungen Trank und Speis
Am Morgen und am Mittag heiß,
Deckt Nachts sie mit den Flügeln warm,
Fürwahr, oh Kirchlein, bist nicht arm!

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