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2017-09-15

A Kaufmann: Drei Trinker (17)



Drei Trinker

Es war am blumigen Moselstrand-
Süß zogen des Sommers Lüfte,
Viel süßer zogen um Bechers Rand
Herrn Weingotts spielende Düfte.

Es war ein sonniger, wonniger Ort-
Sie zechten im vollen Zuge,
Die Becher warfen sie längst schon fort,
Zu trinken aus hohem Kruge.

Und endlich führt von Merl Herr Zand
Ein Fäßlein gar zu Munde-
„Herr Zand, habt Ihr's  Gehirn verbrannt?"
„Dies weis' ich Euch zur Stunde:

Auf meinen Herrn, den Herrn von Trier,
Trink ich dies Fass, das volle;
Die besten Leh' n, er gibt sie mir-
Nun folge frisch, wer wolle!“

Herrn Hattstein trifft es wie ein Streich:
„Zwei Fäßlein will ich leeren,
Dass eine dem lieben römischen Reich,
Das and're dem Kaiser zu Ehren!

Trankt Ihr auf Kurfürst Balduin,
Trag' ich vom Kaiser die Lehen,
Und sollt' Ihr fürs heilige Reich und ihn
Zwei Riesenschlücke sehen!“

Zwei Schlücke tat der gewaltige Mann!
„Sagt, wo ist wohl ein Dritter,
Der gleichen Trunk vollführen kann?"
Aufspringt ein junger Ritter:

„Ihr botet's Eurem Herrn von Trier,
Ihr botet's der deutschen Krone;
Und fragt, wer besser tränk als Ihr?
Schmach jedem Moselsohne!

Gibt mir der vollen Fäßlein drei,
Ich will sie alle leeren,
Und das meines Herzens fröhlichem Mai,
Meinem rosigen Schatz zu Ehren!“

Er trinkt und lacht: „Wie nun, Ihr Herrn?
Doch sattl' ich jetzt die Rosse,
Es ist von hier nicht allzufern
Nach meiner Liebsten Schlosse.

Zu Kopfe steigt mir fast der Wein,
Tränk ich noch mehr, in Treuen,
Dürft' ich mein harrend Mägdelein
Nicht allzusehr erfreuen!“

Alexander Kaufmann 1817-1893

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