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2017-09-16

A.Kaufmann: Trinklied (34)



Trinklied

Das große Fass zu Heidelberg,
Wie lange steht es leer!
Drum sind im heilgen Röm'schen Reich
Die Zeiten auch so schwer.
Als noch das große Fass gefüllt,
Da ging es kunterbunt-
Wer nur ein bisschen Durst verspürt,
Gleich lief er an den Spund.

Was hilft's, dass sich ein lust'ger Tanz
Auf seinem Boden schwingt,
Wenn drinnen nicht der gold'ne Wein
Vor Freude springt und klingt?
Das ist die schwere Zeit der Not-
O Herrgott, sieh darein
Und füll uns bald das große Fass
Mit gutem, altem Wein!

Wenndann aus dem Kyffhäuserberg
Der Rotbart wiederkehrt,
Werd ihm alsbald aus diesem Fass
Ein Eimertrunk verehrt!
Das wär ja eitel Sünd und Spott,
Böt man solchen edelm Herrn
Ein lumpig Schoppendeputat-
Mit Schoppen bleibt Dem fern!

Der will 'nen guten, tücht'gen Schluck,
Da nicht so leicht verweht;
Auch kommt aus seinem Zauberschloss
Manch durstiger Poet:
Herr Walter von der Vogelweid,
Wolfram von Eschenbach;
Ein Minn-und Meistersängertross
Rückt aus dem Berge nach.

Die taten lange kein Trunk,
Sind durstig über Maß-
Drum, fällt Ihr da kein tüchtig Fass,
Gibt's einen trocknen Spaß.
Wir lustgen Brüder trinken mit,
Bis uns der Nebel hüllt-
O großes Fass zu Heidelberg,
Wann, wann wirst du gefüllt?

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