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2017-09-18

Apel: Glück müsst Ihr haben! (18)



Glück müsst Ihr haben!

Vorüber war betrübte Zeit,
Ich sehnte mich nach Heiterkeit,
Und trat in froher Brüder Mitte;
Die zechten, spielten, sangen laut,
Und grüßten, da sie mich erschaut,
Nach guter Kameraden Sitte.

Ich sprach: „Ihr seid so fröhlich hier,
Nun sagt: wie wird am Besten mir
Der Freude süßer Becher fließen?
Ihr wisst, ich blieb ihr lange fern,
Nun möcht ich einmal wieder gern
Des Lebens volle Lust genießen.

Ein Jüngling, schon wie Milch und Blut,
Sprang auf, und rief mit Feuerglut:
„Wie kannst Du zweifelnd Dich besinnen?
Ein liebend Mädchen, treu und rein,
Dem wir das ganze Leben weihn,
Wird einzig uns das Glück gewinnen!“

Laut lacht der Kreis und Einer schreit:
„Ein Tor wer Weibern Glauben leiht,
Die Jedem ew'ge Treue schwören!
Fortuna ist die einzge Braut,
Die den beglückt, der ihr vertraut,
Ihr, hast Du Mut, magst Du gehören!“

Da zuckt es um des Dritten Mund:
„Das Glück hält nimmer treu dem Bund,
Bleibt lang es Manchem auch gewogen.
Da Lob ich mir den goldnen Wein,
Der, ist er anders acht und rein,
Noch keinem braven Kerl betrogen.“

Der vierte zieht ein schief Gesicht:
„Der Wein bringt Schlagfluss nur und Gicht,
Und reizt zu allen tollen Streichen.
Die Ruh ist's die mein Herze liebt-
Es sieht, wer ihr sich ganz ergibt,
Sorglos die Zeit vorüberschleichen. „

"Der Teufel-schreit ein Andrer drein-
Mag schon so jung ein Faulpelz sein,
Dazu wird Zeit in alten Tagen!
Mich drängt's hinaus, als Mann und Held,
Sei's in der Kammer, sei's im Feld,
Dem Glück den Lorbeer abzujagen!“

Ein Sechster lacht: „die Ruhmbegier
Bringt Ärger nur und Wunden Dir,
Und läst Dich gar nach Brode lungern.
Ich lobe mir das Ackerfeld,
In großen Kasten schweres Geld,
Ihr mögt bei Eurem Ruhm verhungern.“

Und wie nun Jeder lernt und tobt
Und brüllend seinen Götzen lobt
Rührt sich noch Einer in der Ecke,
Stampft auf den Tisch das leere Glas,
Und spricht: „Vernehmt, was ich zum Spaß
Euch jungen Narren jetzt entdecke:

Gewiss, mich drückt die Jugend nicht,
Strapazen haben mir und Gicht
Die alten Glieder krumm gezogen.
Auch bin ich nicht ein junger Fant,
Nicht reich, berühmt noch elegant,
Doch alle Welt ist mir gewogen:

Und Alles nennt mich glücklich, froh-
Doch wisst Ihr auch, warum ich so 
Zufrieden noch durchs Leben wandre?
Das macht, es sind in dieser Welt
Zwei Seiten jedem Ding bestellt,
Die eine düster, licht die andre.

Wer nun wie Ihr in toller Hast
Aufs Gradewohl die Sachen fast,
Muss oft gewiss ins Dunkle tappen;
Dann nennt Ihr gleich die Menschen schlecht,
Ja selbst den Himmel ungerecht,
Und denkt nicht Eurer Narrenkappen.

Und doch ist nicht ein einzig Ding
So miserabel, so gering
Das nicht auch Gutes an ihm wäre.
Doch wollt nicht gegen die Natur,
Dass sich in ihm das Gute nur
Von Schatten frei für Euch verklare.

Verlangt von Fraun nicht ewge Treu,
Nicht Spielerfreuden ohne Reu,
Noch, dass gesund ein Trinker bliebe;
Von Faulheit nicht des Ruhmes Glanz,
Noch sichres Brod vom Lorbeerkrantz
Und nicht beim Geldsack reine Liebe.

Und wenn Ihr stets das Rechte führt,
Die Schattenseite nie berührt-
Was gilts, dass Euch sich Glück entfalte?“ Neuer
"Wahr-schrieen Alle-doch sag an,
Wie man das Rechte finden kann?“
„Glück müsst Ihr haben!“ lacht der Alte.


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