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2017-09-17

Apelt: Die reiche Jungfrau (13)

 


Die reiche Jungfrau

War einst eine Jungfrau, schön und reich,
Die wollte sein bescheiden
Und sprach: „die Männer sind alle gleich
Bewandert in falschen Eiden;
Sie kommen her mit süßem Wort
Und seufzen: Schöne, Holde!
Ich lache nur und schick sie fort,
S' gilt doch nur meinem Golde.“

Viel schmucke Freier hatten schwer
Schon heim den Korb getragen,
Doch täglich kam ein neues Heer,
Den teuren Kampf zu wagen,
Nur Einer blieb, in trieb sein Herz
In Liebe still zu hoffen:
Vielleicht wird doch von meinen Schmerz
Ihr harter Sinn getroffen.

Sie schaut ihn wohl, sie achtet nicht
Sein treuergebnes Dienen,
Sieht kalt sein bleiches Angesicht,
Die gramgefurchten Mienen.
Er fühlte, wie vor Schmerzes Glut
Sein ganzes Herz verdorrte,
Er rafft sich auf- mit festem Muth
Spricht er zu ihr die Worte:

„Dies Herz, es war nur Dir geweiht,
Nicht Deines Goldes Schimmer,
Dich sah mein Auge jederzeit,
Nicht eitler Schätze Flimmer.
Ich war zu schlecht für Deine Huld,
Du traust nicht wahrer Liebe-
Oh, wähne nicht, dass solche Schuld
Dir unvergolten bliebe!

Auch Deine Stunde schlägt einmal,
Dein Herz ist nicht von Eisen,
Verschmähter Liebe Feuerqual
Wird Deine Brust zerreißen;
Dann winde Dich in Angst und Schmerz
Vor Deinen goldnen Haufen,
Tand kannst Du viel-kein treues Herz
Für schnödes Gold erkaufen.“

Er geht; die Jungfrau sieht ihm nach
Und lächelt unbeklommen,
Da fällt ihr auf, dass allgemach
Die Freier seltner kommen;
Sie lacht und hüpft zum Spiegel schnell,
Sie stutzt-wie, eine Falte?
Nein, nein! der Spiegel ist nicht hell,
Im Glas hier eine Spalte.

Gesellschaft soll ihr Herz zerstreun,
Den Unmut ihr versüßen;
Viel Freunde kommen, die sich freun,
So wohl sie zu begrüßen.
Doch wie? kein Auge das entzückt
Von ihrem Blick erblühte?
Kein Freund, der ihren Wuntsch beglückt
Sich zu erraten mühte?

Wie wunderbar, die feinen Herrn
Die sonst sie stets umschwärmen,
Die bleiben heute von ihr fern-
Ob still sie wohl sich härmen?
Gewiss, sie war zu rau, zu kühl,
Nun Heilung aller Wunden;
In neuer Hoffnung Hochgefühl
Ist bald ja Trost gefunden.

Sie naht sich Einem, spricht ihn an-
Der stutzt und horcht mit Staunen,
Schon glaubt sich selbst der gute Mann
Ein Spielwerk ihrer Launen.
Was flüstern die? Ein Spottgericht-
Schon steht der wie auf Kohlen,
Mit honigsüssem Angesicht
Hat bald er sich empfohlen.

Die Jungfrau stutzt, doch merkt sie schon,
Hier wird kein Spiel getrieben;
Die Freier sind davon geflohn,
Nur Freunde sind geblieben;
Und alle sind so sittsam kühl,
Wie sie es sonst gefordert,
Da noch kein zärtliches Gefühl
Im Busen ihr gelodert.

Jetzt brennt's auf einmal-ach, zu heiß
Die Glut noch auszublasen.
Kein Freier naht-doch kommt ein Kreis
Ehrbarer, spitzer Nasen.
Die Jungfern trippeln zum Kaffee
Heran, auf schnellen Füßen,
Ihr teures Schwesterlein, oh weh!
Gar ehrbar zu begrüßen.

Wohl hört sie noch, dass mancher Mann
Sich liebend um sie gräme,
Nur, das vor ihres Wortes Bann
Sich jeder Freier schäme;
Den keiner will um Goldes Schein
So offen sich verkaufen-
So saß die Jungfrau alt allein

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