> Gedichte und Zitate für alle: Bouterweck 1766- 1828: Irrung der Menschheit (11)

2017-09-22

Bouterweck 1766- 1828: Irrung der Menschheit (11)









Irrung der Menschheit

Der Sinn des armen Sterblichen
Geht immer in der Irre.
Die Götter geben Gutes uns,
Und Schlimmes unser Wahn.

Sieh Jenen an, der wenig hat!
Er schmäht den Mann der Fülle.
Steht vor ihm scheu und kümmerlich,
Und bricht sein eignes Herz.

Und der, dem Füll' und Herrlichkeit
Ein Gott verlieh, wird töricht;
Vergisst, das er auf der Erde tritt,
Und dünkt sich selbst ein Gott.

Wie wirft er nicht, so klein er ist,
Den Kopf zurück zum Nacken;
Und donnert ernstlich wohl einmal
Dem Donnervater nach!

Er wagt es, um Minervens Hand
Als Bräutigam zu werben.
Und fragt: „Wo geht der nächste Weg
Zur Tafel im Olymp? „

Doch hinter ihm auf weichem Fuß
Schleicht leise das Verderben,
So ungesehen, als ungehört,
Und hebt sich über ihn.

Er fasst mit Mädchenungestüm
Des grauen Toren Scheitel,
Des Jünglings Hand als graues Weib,
Und übt Gerechtigkeit.


Friedrich Ludewig Bouterweck 1766- 1828





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