> Gedichte und Zitate für alle: Gedichte Friedrich Kind: Das Licht im Thale (7)

2017-09-04

Gedichte Friedrich Kind: Das Licht im Thale (7)



Das Licht im Thale

Der Geishirt steht am Felsenrand,
Ein Dirnlein naht in Pilgergewand.

„Gelobt sey Christ!-bist du kein Geist"-
So frag' ich den, der jetzt noch reis't.

„Was schimmert dort mit mattem Strahl?“
Das Feuerwürmlein fliegt im Thal.

„Schau, immer heller steigt's empor-“
Der Irrwisch hüpft aus Schilf und Moor.

„So feurig glimmt der Irrwisch nicht-„
So ist's des Bergmanns Grubenlicht.

„Schau hin, wie Sternlein leuchten itzt-„
Die Funken, die der Ambos spritzt.

„Nicht Hammer fällt, nicht Blasebalg facht-„
Mein Enklein spinnt noch spät bei Nacht.

„Laub deckt der Spinn'rin Fensterschoß-“
Die Kerzen flimmern im Herrenschloß.

„O blinkt vom Schloß der Schein mir zu,
Schenk Gott dem Kranken sanfte Ruh!“

Der Junker ruht wohl sanft genug;
Es sind die Fackeln vom Leichenzug.

„Ach, sind's die Fackeln vom Leichenzug,
Ist mir die Klipp' nicht steil genug!“

Der Geis zu steil-gieb mir die Hand-
„Wohl tiefer meine Angst und Schand'!“

Geläut und Todtenlied wehte her,
Der Geishirt sieht die Maid nicht mehr.

Durch Wolken dringt der Mondenstrahl,

Keine Kommentare: