> Gedichte und Zitate für alle: Der Blumenstrauss (11)

2017-09-05

Der Blumenstrauss (11)



Der Blumenstrauss

Ich sah, wie frommer Dichter sehen,
Halb wachend, halb im Traum,
Im Ulmenwald ein Mädchen gehen,
So zart wie Hebe kaum,
Als sie zum ersten Male
Mit Wangen glühendroth
Die goldsmaragdne Schale
Dem Kreis der Götter bot.

Die feengleiche Schöne lauschte
Im Laube halb versteckt.
Da durch den Hain ein Lüftchen rauschte,
Ward sie von mir entdeckt.
Ein Gurt von vollen Rosen
Umschlang das Luftgewand
Bis an des fessellosen,
Belebten Busens Rand.

Da mich ihr schimmernd Aug' erblickte,
Wich ich erröthend ihr,
Doch mild, wie Himmelswohner, nickte
Die süsse Huldin mir,
Sie schlang um meine Leier
Ein silberhelles Band,
Dass sie dem ros'gen Schleier
Des braunen Haars entwand.

„Nimm, dir vertraut von meinen Händen,
Dies Sträußchen roth und weiß,
Es dankbar wieder auszuspenden
In deiner Lieben Kreis.“
Sie sprach's, und brach mir Blüten
Vom Schurz des Busens ab.
Darf ich euch freundlich bieten,
Was mir die Holde gab?

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