> Gedichte und Zitate für alle: Des Bräutigams Segen (13)

2017-09-15

Des Bräutigams Segen (13)



Des Bräutigams Segen

Wo die Stege talwärts sinken,
Hielt er an den flüchtgen Fuß,
Sah der Städtlein freundlich blinken
Und entbot ihm seinen Gruß:

„Sei mir Gott, mit Gott willkommen
An des Stroms beglänzten Rand,
Liegst du doch vor mir entglommen,
Ein geschliffner Diamant!

Möge Gott dich mild behüten,
Stillvertraute, liebe Welt,
Vor dem Frost die Rebenblüten,
Vor dem Hagel Flur und Feld!

Deine hochgeschlung'nen Türme
Vor der Blitze wilder Gier,
Vor der Wut der Winterstürme
Deine Giebel wahr' er dir!

Deine Söhne, allerwegen
Schütz'er sie in Kampf und Not!
Nimm ihn hin, den vollsten Segen,
Den ein liebend Herz je bot!

Aber, Städtlein, zum Ersatze
Mein Geheimnis birg ist gut:
Dort am düstern Lindenplatze
Harret mein ein junges Blut!

Zürne nicht, du liebes Städtchen,
Trag's vielmehr und schweige still,
Dass dein allerliebstes Mädchen
Ich noch heut' entführen will!“

Alexander Kaufmann 1817-1893

Keine Kommentare: