> Gedichte und Zitate für alle: Des Fischers Ständchen (19)

2017-09-06

Des Fischers Ständchen (19)



Des Fischers Ständchen

Über klare Wellen gleitet
Sanft der kleine Kahn dahin,
Und des Mondes Schimmer leitet
Mich zur Herzenskönigin.

Schon erblick' ich dort die Hütte,
Wo mein feines Liebchen wohnt,
Die nach alter deutscher Sitte
Mich mit treuer Liebe lohnt.

Mädel, horch, dein Vielgetreuer
Naht den grünen Ufer sich.
Schau' heraus! dein junger Freier
Singt ein Abendlied für dich.

Loses Mädel! lass dir sagen:
Heute heist' s noch: Jungfer Braut;
Aber nach den Feiertagen
Hat der Priester uns getraut.

Junge Weiden überschatten
Meiner Hütte Binsendach;
Weiches Moos und Blumenmatten
Duften süß im Brautgemach.

Deine Liebe schafft hienieden
Schon die Erd' zum Himmel dann;
Immer glücklich und zufrieden
Leben wir als Weib und Mann.

Wenn der frühe Morgen winket,
Wecket dich mein Morgenkuß;
Wenn die Abendsonne sinket,
Schwebt mein Nachen übern Fluss.

Wilde Rosen vom Gesträuche,
Weibchen! für dein blondes Haar,
Blaue Liljen aus dem Teiche
Bring' ich dir zur Gabe dar.

Manchen Korb von schlanken Binsen,
Die ich sorglich ausgesucht,
Gelblichgrüne Wasserlinsen
Für die kleine Entenzucht…

Manche kleine Liebesgabe
Bring' ich, holdes Weib! dir dann.
Du bist meine ganze Habe,
Und ein Reichthum ist dein Mann.

Heute schläfst du noch alleine...
Wirf das Fensterchen nur zu!…
Aber bald, du liebe Kleine,

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