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2017-09-17

Des Gärtners Liebe (9)



Des Gärtners Liebe

Der Garten steht in Frühlingspracht,
Der Tau der letzten warmen Nacht
Die glänzend auf dem Blütenkronen;
Der Gärtner sieht ihn, still entzückt,
Er hat den Garten so geschmückt,
Er fühlt wie ihn der Reiz beglückt,
Und dies Gefühl muss ihn belohnen.

Und wie er langsam weiter geht,
Da blickt aus buntem Blumenbeet
Eine Rosenbäumchen ihm entgegen-
„Ha!“ ruft er freudig-“ Du allein
Wirst meines Gartens Zierde sein,
Dir will ich meine Kräfte weihn,
Um Gott verleihe seinen Segen!“

Nun müht er ab sich Nacht und Tag,
Das freier sich entfalten mag
Der Blüte Keim im zarten Schoose.
Schon hebt die Knospe sich empor,
Blüht schöner jeden Tag hervor
Und zeigt es hier im Blumenflor
Die Wunderpracht der künftgen Rose.

Und all' der andern Blüten Schaar,
Die sonst ihm Lust und Freude war,
Steht jetzt vor ihm, verschmäht, verachtet.
Sie duften schwach, er sieht es nicht,
Nicht wie das Unkraut sie umflicht,
Nicht wie der Sonnestrahl sich sticht.
Bis auch die letzte still verschmachtet.

Und als es öde rings und leer,
Da hat an Duft und Reizen schwer
Die Rose prachtvoll sich entfaltet.
Der Gärtner sieht sich hocherfreut:
„Du bist es, die mir Alles beut,
In der sich jeder Glanz erneut,
So reich, so schön bist Du gestaltet!“

Doch in der Nacht das schwirrte leis'
Und mir stets im engern Kreis
Ein Käfer zu der jungen Blüte;
Wie Gold erglänzt der Flügel Schein-
Er strahlt so schön-sie lässt ihn ein,
Nicht ahnend, dass mit Todespein
Er bald ihr junges Herz durchwühte

Wohl kehrt des Morgens Glut zurück,
Der Gärtner naht, er will sein Glück,
Wie seiner Blüten liebste schauen.
Jetzt tritt er seiner Rose nah,
Er schaut was in der Nacht geschah
Kaum glaubt er, was sein Auge sah,
Um bebt zurück vor Schreck und Grauen.

Und wie er aus dem Traum erwacht,
Sieht er verwelkt der Blüten Pracht,
Die früher ihm sein Fleiß geboren.
„O-“ ruft er-"bleibt mir keine Spur
Von meiner reichen Blütenflur?
Warum hatt ich auch eine nur,
Nur Eine mir zum Glück erkoren!“


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