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2017-09-15

Des Teufels Bekehrung (14)



Des Teufels Bekehrung

Zu Hildesheim da lebt ein Greis
In frommer priesterlicher Weis',
Ein Mann so recht nach Gottes Herzen.
Das musst' den leid'gen Satan schmerzen,
So dass er oft den frommen Mann
Trat mit Versuchungskünsten an;
Der aber ist im nie erlegen,
Wirkte vielmehr mit vollen Segen
Und schützte vor dem Ränkeschmied
Sich selbst und manch Gemeindeglied.

Einst war ein Tag recht drückend heiß;
Stark Dürsten kam dem frommen Greis;
Er dacht bei sich: „Am Dom die Schenke
Führt immer leidliches Getränke;
Ich will ein Schöpplein dort verzehren
Zur Freude mir und Gott zu Ehren!“-

Die Schenke war so still und kühl,
Da draußen war's so dumpf und schwül;
Das Schöpplein gar trank bald sich leer.
Der Alte sprach:"Es schmeckt nach mehr!
Ein Gläslein noch, was könnt' es schaden?
Die Sünde darf ich auf mich laden-
Wie sanft süß geht's doch zu Munde!"

Das roch alsbald der schlimme Kunde
Und lacht vor Lust: „So wär dem Frommen
Sein schwaches Stündlein auch gekommen!“
Er kehrt ein schmucker Kriegsgesell,
Doch wohl verdeckt sein Fußgestell,
In jenem selben Wirtshaus ein.
Da mundete auch ihm der Wein,
Er trank und trank und warf dazwischen
Manch listig Wort, den Greis zu fischen;
Der aber ließ sich nicht erwischen
Und lobte nur den kühlen Saft
Und Gott den Herrn, der ihn erschafft.

Der Teufel denkt: „Dem heilgen Mann
Täts meine Alte selbst nicht an,
Des Satans Kunst geht hier zu End'-
's ist ärgerlich! Doch sapperment,
Der Wein ist gut: Von diesem Nass
Herr Wirth, nur gleich ein volles Fass,
Dieweil dies besser mundet mir
Als Zyperwein und Malvasier!“
„Nicht wahr, hub hier der Priester an,
Dies Weinchen hat sich Euch angetan?
Ich mein', wenn das der Böse tränke,
Er müsste Gott für solche Geschenke
Inbrünstig danken und einmal
Der ersten Freude warmer Strahl
Sein hartversteintes Herz erweichen.“-
„Wahrhaftig, Glatzkopf! Nie des Gleichen
Fühlt ich wie heut'-ein Schelm wer lügt!
Ich bin bewegt und bin vergnügt;
Doch macht der Trunk verteufelt heiß;-
Stoßt an, Herr Pfaff!"-Der schlägt der Greis
Ein mächtig Kreuz, es muss mit Grollen
Sich der betrunkne' Teufel trollen,
Doch schied er diesmal nicht wie sunst
Mit einem Pröbchen jener Kunst,
Worinnen, wie ihr alle wisst,
Der Teufel sehr erfahren ist.-

Drum sag ich wohl mit Recht: der Wein
Muss immerdar gepriesen sein:
Glücks je, den Teufel zu bekehren,
Gelingt es ihm,-den Wein in Ehren!

Alexander Kaufmann 1817-1893

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