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2017-09-15

Die Venetianer im Fichtelgebirge (12)



Die Venetianer im Fichtelgebirge

Wie lockt in Sommers Schwüle
Der Wald so wunderbar!
Wie lieblich haucht die Kühle
Um Busen, Stirn' und Haar!

Die Buche ragt gewaltig,
Die Tanne schlank und wild,
Das Moos so vielgestaltig
Wies's um die Knorren schwillt!

Der Welle fröhlich Hüpfen,
Die um den Fels sich schlingt;
Des Eichhorns lustig Schlüpfen,
Das in den Zweigen springt;

Das Spiel der goldenen Lichter,
Des Laubs verliebter Scherz -
Wie freudig spielt's dem Dichter
Durch's Auge bis in's Herz!

Süß, Wald, sind deine Wonnen;
Doch birgst du, tief entrückt,
Scheu, der schlimm beglückt,

Der stets mit blut'gem Hader
Den Erdkreis noch getränkt,
Drum ihn in tiefster Ader
Ein güt'ger Geist versenkt.

Dort lagen nun und ruhten
Die Schätze unberührt -
An der Lagune Fluten
Hat man sie aufgespürt.

Auf fernen Euganeen
Im Zauberspiegelschein
Gelang's den Schatz zu sehen
In Schneekopf und Kössein.

Nun kam in düstern Scharen,
Ward sommerlich die Zeit,
Viel wälsches Volk gefahren
Um deutsche Herrlichkeit.

Oft sah man finstre Männer
In mondheller Nacht,
Des Gold's erprobte Kenner,
Durchwühlen Schacht auf Schacht,

Oft auch in wilden Nächten,
Zu schlimmen Taten gut,
Vernahm man stürmisch Fechten,
Und morgens fand man Blut.

Was deine Felsenfeste,
O Fichtelberg, durchrollt,
Venedig sah Paläste
Erstehn aus deinem Gold;

Im Samtgewand und Seide
Ging mancher wälsche Mann,
Indes im här'nen Kleide
Der Bergbewohner spann.

Oft wenn am fernen Maine
Der Köhler Wasser trank,
Berauscht vom Zyperweine
Der Wälsche niedersank:

Da griff ein Zorn die Zwerge,
Ihr König sprach das Wort,
Und tiefer in die Berge
Versenkte sich der Hort.

Das Pilgern ist vergangen,
Kein Wälscher naht sich mehr -
Der Wald im stolzen Prangen
Blüht herrlich wie vorher;

Und seine Kuppen glüht noch
Wie Gold das Morgenrot,
Und stille Wipfel blüht noch
Das Abendrot im Tod.

Mild kommt, wenn's Gold verglühte,
Der Silbermond gewallt.
Daß Gott dich stets behüte,
Du frommer Aufenthalt!

Alexander Kaufmann 1817-1893

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