> Gedichte und Zitate für alle: Eine Geschichte -2 Sie saß am hohen Uferrand (22)

2017-09-18

Eine Geschichte -2 Sie saß am hohen Uferrand (22)

 


     2.

Sie saß am hohen Uferrand
Mit Laub bekränzt die schwarzen Locken,
Nachlässig spielt die weiße Hand
Mit abgeriss'nen Blüthenglocken.
Sie wirft ein Blümchen in den Bach
Und schaut in seufzend lange nach,
Und spricht in tiefem Harme:

"Ihr Blümchen in der kühlen Flut,
So jung gepflückt, zu früh gestorben,
Eh' Regen noch und Sonnenglut
Der Farben goldnen Glanz verdorben;
Der Strudel reißt Euch schnell hinab-
Ich folge bald ins feuchte Grab,
Ein Blümchen früh gebrochen.

Mein Liebster brach sein heilig Wort,
Ließ mich mit meinem Schmerz alleine,
Vom Hause trieben sie mich fort,
Nun sitzt ich hier am Bach und weine;
Hier, wo ich ihn zuerst gesehen
Wie ich zur ew'gen Ruhe gehn,
Mit meinem Blumen sterben!“

Sie macht den Kranz vom Haupte los,
Schon treibt im Strudel er entgegen-
Da plötzlich fällt in ihren Schooß
Von oben her ein Blütenregen.
Sie springt empor, des Liebsten Arm
Umfängt sie fest und liebewarm,

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