> Gedichte und Zitate für alle: F. Kind: Die Himmelsbraut (21)

2017-09-06

F. Kind: Die Himmelsbraut (21)



Die Himmelsbraut

Willst dem Kloster dich verloben
In der jungen Maien Zeit?
Schauest unverwandt nach oben,
Fliehst des Lebens Herrlichkeit?
„Die Sünde will ich meiden,
Zu Gotte steht mein Sinn,
Mein Loos ist zu beneiden,
Der Herr ist mein Gewinn!

Kränze dich mit Ros' und Reben,
Lust und Freude winken dir.
Sprich, ward dir umsonst gegeben
Deines Leibes holde Zier?
„Gab mir des Herren Güte
Der ird'schen Schöne Ruhm,
So prange diese Blüte
In seinem Heiligthum!“

Siehst du nicht die Liebe weinen?
Durch der Treue süßen Bund
Ewig ihm sich zu vereinen,
Fleht des Jünglings Aug' und Mund!
„Es waltet hier auf Erden
Nur niedere Begier,
Vermählet will ich werden,
Mein Heiland, nur mit dir!“

Doch du musst dein Haar verschneiden,
Gleicht es auch dem Golde gar;
Musst in düstres Schwarz dich kleiden,
Dich kasteien immerdar.
„Schmückt den Altar zur Feier,
Die Braut war längst bereit,
Willkommen Kutt' und Schleier,

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