> Gedichte und Zitate für alle: F. Wilhelm Gubitz: Vom verschwärmten Liebespoeten (57)

2017-09-03

F. Wilhelm Gubitz: Vom verschwärmten Liebespoeten (57)



Vom verschwärmten Liebespoeten

Der Poet in Narrenliebe
Schmeichelt so sein Mädchen an,
Das dabei wohl kein Vernünft' ger
Sich des Spots erwehren kann!-

Denn er preist des Liebchens Haare
Uns so seltsam wunderbar,
In so schlottrich schlechten Versen,
Das daran kein gutes Haar.

Preiset ihrer Stirne Bogen
Uns im Bildern schrankenlos,
Das wir unsre Stirne runzeln,
Weil der Unsinn gar zu groß.

Bei dem Schwall ob ihrer Augen,
Schmerzen uns die Ohren sehr;
Bei dem Lob der kleinen Ohren,
Seh'n und hören wir nichts mehr.

Es verdienet krit'sche Nasen,
Was von Näschen er thut kund;
Dann bei Schilderung der Lippen,
Wünscht man stumm des Reimers Mund.

Liebesqual der Wangen färbet
Unsre bald durch Scham mit Gluth,
Und man flucht beim Ruhm des Halses
Sich vom Halse Schmeichlerbrut.

Kommt der Busen an die Reihe,
Wird die Brust uns zugeschnürt,
Wenn den Schleier heil' ger Sitte
Ueppigkeit so frech berührt.

Schwarz dann werden wir vor Aerger,
Macht sich breit die weiße Haut,
Das wir aus der Haut fast fahren,
Weil uns vor den Bildern graut.

Beim Entzücken ob des Fußes,
Möchten laufen wir im Nu,
Und beim Preisen ihres Ganges
Rufen wir: Poet, lauf du!

Wie er noch den Wuchs gerühmet,
Wächst uns Zorn ohn' Unterlaß;
Bei der Stimme Lob verlieret
Er die Stimm' auf dem Parnaß.-

So nun hat in Narrenliebe
Der Poet sich umgebracht,
Wie mich' s zur Verzweiflung triebe,
Hätt' ich je solch Lied gemacht!

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