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2017-09-17

Gedicht: Das böse Röschen (4)


Das böse Röschen

Ein Röschen stand am Weg, versteckt
In dichter Dornen Hut;
Das hatte Manchen schon geneckt
Wenn er die Hand nach ihm gestreckt,
Gestochen bis aufs Blut.

Ein Schäfer kam und trat heran,
Der sprach: „Komm, werde mein!“
Doch Röschen stach den armen Mann,
Das rot sein Blut herniederrann,
Und sagte trotzig: „Nein!“

Da kam mit Sang und Saitenspiel
Ein fröhlicher Gesell:
Wie griff der nach des Röschen Stiel!
Doch Röschen stach und lachte viel,
Das Jener floh so schnell.

Und Mancher schaut auf seine Bahn
Entzückt des Röschens Pracht,
Und Allen, Allen die es sahn,
Hat ist das Röschen angetan,
Und spottend nachgelacht.

Zuletzt erschien in gold'ner Wehr
Ein Ritter, hochgeschmückt.
Das Röschen, dem gefiel er sehr;
Nun, denkt es, hab ich Ruhm und Ehr,
Werd ich von ihm gepflückt.

Da streckt es aus den Dolman sich
Soweit es kann hervor,
Und schaut zu süß, so minniglich,
Sprach es: „Lieber, hebe mich
Doch gleich zu Dir empor!“

Er sprengt heran; das Röschen glüht
In heißer Minnelust;
Doch, wie es sich zu strahlen müht-
Die wunderschönste Rose blüht
Schon an des Ritters Brust.

Das Röschen schaut in lange nach
Mit tiefbedrübten Sinn,
Und ob es auch nicht wieder stach,
So kam doch Keiner, der es brach,
Und einsam welkt hin.

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