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2017-09-17

Gedicht: Der trotzige Sänger (8)

    


Der trotzige Sänger

Ein Sänger saß im Wald allein,
Foto Tönten Harf und Lieder;
Von allen Bäumen jauchzt und drein
Das bunte Waldgefieder.
Es schrie so laut den alten Sang,
Das oft der Sänger schwieg,
Bis neu sein Lied zum Himmel stieg
Und freudig wiederklang.

Da rauscht es Fern und näher bald,
Jetzt springt auf stolzen Rossen
Ein hoher Ritter durch den Wald
Mit seinen Jagdgenossen:
„Ei, lieber Sänger, so allein?
Komm mit, beim frohen Mahl
Halt schöner Dein Gesang im Saal,
Zu ist uns willkommen sein!“

Der Sänger hebt das Haupt empor,
Schaut in des Ritters Mienen:
„Wohlan, wird mir ein günstig Ohr,
Soll mein Gesang Dir dienen!“
Der Ritter winkt: „Heh, schnell ein Roß
Herbei für meinen Gast!“
Und weiter geht's in wilder Hast
Hinauf ins hohe Schloss.

Viel holde Mädchen, schöne Fraun,
Erschienen an den Türen,
Die jubelnd auf den Sänger schaun
Und in dem Saal ihn führen.
Da tönt sein Lob aus aller Mund!
Hoch preist man jedes Wort,
Und lässt ihn gern den Ehrenort
Ein froher Tafelrund.

Jetzt nimmt der Herr den Goldpokal
Und spricht, zu ihm gewendet:
„Ich bring es Dir, der unserm Mahl
Die beste Gabe spendet! „
Der Sänger trinkt; sein Auge sprüht,
Hoch schwillt die heiße Brust,
Und jubelnd singt er voller Lust,
Was ihm das Herz durchglüht.

Von alter Zeiten Heldenkraft,
Von unsrer Väter Kriegen,
Die nur der edle Rebensaft
Vermochte zu besiegen.
Von Liebe, die das Herz bedrängt,
Doch hold zu trösten weiß,
Dass manche Jungfrau glühend heiß
Herab das Köpfchen hängt.

So singt er laut zum Saitenspiel,
Dem Blick emporgehoben.
Er denkt nicht dran, ob Andre viel
Ihn tadeln oder loben.
Doch, als sein truncknes Aug einmal
Auf seiner Hörer fällt-
Wie wird ihm da die Luft vergällt,
Zu singen hier im Saal!

Da flüstern, eben nicht geheim,
Verliebte junge Laffen;
Dort gibt Confect mit Honigseim
Ein Fräulein Ihrem Affen:
Ein Andrer füllt das leere Glas
Und lacht in seligem Mut-
Der Sänger sieht nur allzugut,
Das längst man ihn vergaß.

Und düster schweigend geht er fort,
Steigt ernst zum Tale nieder:
„Auf hohem Schloss ist nicht der Ort
Für mich und meine Lieder.“
So murmelnd kommt er unten an,
Fort eilt durchs Tal sein Fuß-
Da tritt zu ihm mit solchem Gruß
Ein schlichter Bauersmann:

"Eilt, lieber Herr, so stürmisch nicht
Vorüber unserem Feste;
Zwar ist ein frohes Angesicht
Bei unserm Schmaus das Beste.
Doch, wer so lang im Wald allein
Vor stummen Bäumen singt,
Der weiß, dass es noch besser klingt
Beim vollen Glase Wein."

„Eilt-ruft der Sänger wohlgemut-
Was braucht's da lange Bitte,
Im freien Walde singt sich's gut
In froher Menschen Mitte.“
Und freudig schreiten Beide fort,
Da leuchtet Fackelglanz,
Laut tönt Musik, Geschrei und Tanz
Her von des Festes Ort.

Sie kommen an; wie fröhlich drehn
Die Paare sich im Reigen!
Da steht der Sänger still sich stehn,
Der Fiedel Töne schweigen.
"Willkommen lieber Sänger Du!“
So ruft der frohe Chor-
„O singen ein Lied, ein Lied uns vor,
Wir hören gern Dir zu!“

Der Sänger schaut im Kreis umher,
Er lässt die Saiten klingen
Und frei der Melodien Meer
Zum Himmel auf sich schwingen;
Und stumm, erfüllt von Sangeslust
Lauscht andachtsvoll der Kreis,
Und Seufzer steigen schwer und heiß
Aus süß bedrängter Brust.

Da plötzlich tritt ein Knapp herzu,
Umstrahlt von goldnem Flitter.
„Ei Singer, sprich, wo weilest Du?
Was schlägst Du hier die Zither?
Schnell folge mir ins Schloss zurück,
Dort Töne Dein Gesang
Von Heldenruhm und Schlachtendrang,
 Von Wein und Liebesglück!“

Doch langsam steht der Sänger auf
Und spricht mit ernsten Mienen:
„Fort, Wände rückwärts Deinen Lauf,
Ich kann den Herrn nicht dienen.
Und böt er Haufen rothes Gold
Und Perl und Edelstein-
Dem werd ich meinen Sang nicht weihn,
Der nicht dem Liede hold.

Das Lied wird nur aus freier Brust
Im frohen Muth geboren;
Wohl fing ich der Natur mit Lust,
Doch nie vor tauben Ohren.
Die Trainer, die der süße Drang
Tief aus dem Herzen hob,
Die ist dem Sänger bess'res Lob
Als allen Goldes Klang.

Hier weiß ich, wenn mein Sang erklingt
Von Freuden oder Schmerzen,
Dass ungetrübt erweitert dringt
In aller Hörer Herzen.
Sag Deinem Herrn dem besten Gruß,
Ich wünsch ihm, Gut und Glück,
Doch nimmer kehrt ins Schloss zurück
Des freien Sängers Fuß!“

Der Knappe hört, erstaunt und schlich
Still seines Weges wieder.
Doch neu zum Himmel schwingen sich
Des Sängers Jubellieder.
Der Kreis der Hörer lauscht und wacht,
Ob auch die Sonne schied,
Und lange tönet noch das Lied

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