> Gedichte und Zitate für alle: Gubitz: Zwei Hochzeitslieder (62)

2017-09-03

Gubitz: Zwei Hochzeitslieder (62)




Zwei Hochzeitslieder

1.

Melodie: „Willkommen, schöner froher Tag!“

Die Hochzeit ist ein echtes Fest-
Sie bindet fest für' s Leben,
Wer innen fest, Wird nun vom Rest
Des Losen sich entheben.
Dies werthes Pärchen, merkt Ihr Euch,
Ihr seyd ja nicht vom Modezeug-
Ihr grüßt den Eh' stand standhaft!

Da darf nicht mehr wie sonst der Mann
Nach Kaffeehäusern flitzen:
Er muss in seinem Eh' gespann
Bei lieber Hälfte sitzen;
Für bunt Geschwätz bei Weinesrausch,
Empfängt er klug Gespräch zum Tausch
Von Theu' erung, Wäsch' und Scheuern.

Die Frau lässt nicht am Fensterlein
Die Neugier oft erblicken,
Sie schaut mit Sorg' in' s Haus hinein,
Bei Kochen, Nähen, Stricken;
Sie trennt ein Kleid von Ehedem,
Und stichelt daraus ganz bequem
Drei Flittchen für die Kleinen.

Der Mann muß von dem Bräutigam
Noch etwas übrig bleiben,
Er muß, schwillt ihm der Zorn den Kamm,
Nichts als den Zorn vertreiben.
Ein echter Ehe-Candidat
Verschafft voraus sich guten Rath,
Will inn' rer Sprudel brausen.

Die Frau-selbst bei des Mannes Schuld-
Zerbricht des Trotzes Fesseln;
Ihr ziemen Demuth und Geduld,
Nicht Worte, gleich den Nesseln.
Ein altes Sprüchlein guter Art:
„Man gehet Einem um den Bart „,
Kann nur für Männer passen!

Wenn Zweie sich entgegensteh' n,
Ist's Eheband von Eisen,
Doch wenn sie traut zusammengeh' n,
Als Rosenband zu preisen.
D' rum treu in Lieb' entschlossen mag
Auf silbernen und gold' nen Tag
Der Hochzeitstag euch weisen!

2.

Melodie: „Laßt die Politiker nur sprechen.“

Comödie spielen wir auf Erden,
Eine Rollenfach heißt: Ehestand,
Bei dem, will man nicht Blaubart werden,
Sich Niemand noch Routine fand;
Für sich spielt da nun Keiner mehr,
Und zum Ensemble kommt's oft schwer!

Liebhaber werden abgegeben,
Das Fach der Väter wird studiert;
Den Polt'rer spielt man noch daneben,
Doch wird er schwerlich applaudirt,
Und nun als lump' ge Schmuggelei
Macht man den Bonvivant dabei.

Die Heldenrollen sind, auf Ehre,
Im Kampf mit Frauen meistens leicht;
Doch intrigante Charaktere
Verfänglich,-weil der Frau man weicht;
D' rum zeigt es Reifheit im Verstand,
Ist man nicht hält, nicht Intrigant.

Der Mann spielt wohl die Herrscherrollen,
Jedoch-sonflirt die liebe Frau;
Und wo sich Zwei vertragen wollen,
Dann nimmt man's sich auch nicht zu genau,
Wenn manchmal Figurant man ist,
Sonst wird der Mann zuletzt-Statist.

Die dummen Jungen abzuweisen
Ist in der Eh' empfehlenswerth!
Doch dabei Komik anzupreisen,
Hier handelt Tragik leicht verkehrt:
Man wirft die Mantelrolle fort
Und nimmi als Elegant das Wort.

Der Spieler und Betrunk' ne meidet
Ein rechter Ehemann gewiß;
Da er-weil sonst die Würde leidet-
Dies Rollenpack vorher zerriß;
Doch geht aus häuslichem Humor
Nun ein beliebtes Fach hervor.

Ist so die Thätigkeit beschnitten,
Und zeigt doch wieder frischen Pfad,
Dann findet, froh und wohlgelitten,
Man Pfleg' in seinem kleinen Staat,
Bis der Versenkungs-Falle winkt,
In der ein Jeder einst versinkt.
Ende

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